310
Zur Geschichte der bildenden Kunst in Düsseldorf.
verbunden, die wirksamste Art gefunden werden, an einemOrte, wo die Kunst keine Geschichte und weder heimischenoch fremde Werke mehr aufzuweisen habe, ein neuesKunstleben zu erwecken und ihm Richtung und Dauerzu geben.
„Und wenn dann — äusserte er — meine jetzige Arbeitvollendet sein wird und ich mir die Schule angezogen habe,so kann das nähere Vaterland ferner über uns gebieten;es wird noch Zeit, Kunst und Lebenskraft übrig sein, zuleisten und zu lehren." — Hardenberg ging auf alle Vor-schläge ein; Cornelius wurde zum Director der Kunst-akademie in Düsseldorf vom 1. October 1819 ab ernanntund erhielt die von ihm zur Bedingung gemachte Erlaub-niss, während zweier Jahre die Sommermonate hindurchin München zur Vollendung der dort bedungenen Arbeitenzubringen zu dürfen.
So war denn für Düsseldorf die junge geniale Kraft,welche sich seinem Erblühen so gerne mit voller Sohnes-liebe gewidmet hätte, wenigstens nicht ganz verlorengegangen; nachdem es so vieles vollständig hatte abgebenmüssen, durfte es seinen Cornelius wenigstens theilen mitdem glücklicheren München. So war nun der Regeneratorzugleich für beide Kunststädte gewonnen, welche dennauch hinfort die beiden Stätten wurden, an denen sich dieGlanzperiode der deutschen Kunst entfalten sollte. EndeJanuar 1820 folgte er einer Einladung nach Berlin zumZweck der Vereinbarung der Reorganisation der Düssel-dorfer Schule. Der ausführliche Plan zu einer solchen, dener mit dem Kupferstecher M o s 1 e r zusammen aus-gearbeitet hatte, fand im Ganzen Billigung. Cornelius warder Ansicht, dass der Mangel an Kunstwerken in Düssel-dorf nur durch eine liberale, den alten Kunstschulen ähn-liche Lehrart einigermassen ersetzt werden könnte unddass von dem Meister in den Verzweigungen der Schuleeine Thätigkeit unterhalten und angeregt werden müsste,die soviel als möglich die Erzeugung zu einem angegebenenZwecke bestimmter Werke zum Ziele habe.
Die Gediegenheit und Grossartigkeit seiner Arbeitenim Göttersaal der Münchener Glyptothek, welche mit Bei-hülfe talentvoller Schüler zum grossen Theile bereits voll-endet waren, verschafften dem Meister einen rasch sich ver-breitenden Ruf, und dies äusserte bei seinem Amtsantrittin Düsseldorf sofort seine Wirkung. Zu den einheimischenEleven, darunter C. Schorn und der vielversprechendeA. E b e r 1 e , die namhaftesten, gesellten sich mehreretüchtige auswärtige Schüler, worunter C. Stürmer und