Zur Geschichte der bildenden Kunst in Düsseldorf.
299
Meister geerbt und es heisst desshalb wohl nicht mit Unrecht,dass Johann Wilhelm vor den gewaltigen Kunstwerkendesselben den ersten Impuls empfing zu dem grossartigenPlan, dessen Ausführung eine Hauptthat seines wirkungs-reichen Lebens bildet, die Errichtung der weltberühmten,herrlichen Düsseldorfer Gemälde-Gallerie. In den genialenRubensschen Schöpfungen liegt ein so von edler Leidenschaftdurchglühter und zu hoher Begeisterung fortreissendererhabener Schwung, dass es leicht erklärlich ist, wieunter ihrer Einwirkung ein jugendlich schwärmerischesund empfängliches Gemüth zu der enthusiastischen Kunst-liebe entflammt wird, welche zu der Lösung einer so gran-diosen Aufgabe entschieden erforderlich ist.
Wenn man bedenkt, welch eine Wichtigkeit und Be-deutung die Ausführung jener Idee Johann Wilhelms fürdie ganze fernere Entwickelung Düsseldorfs gewonnen hat,eo kann man ahnend ungefähr abwägen, wieviel diese Kunst-stadt dem gewaltigen Genius des grossen Niederländers zuverdanken hat.
Seiner Neigung entsprechend richtete Johann Wilhelmzunächst sein Augenmerk darauf, in den Besitz Rubens-scher Werke zu gelangen und mit ihnen das Fundamentzu der Sammlung zu legen. Gleich nach seinem Regierungs-antritt Hess der Fürst aus seinen Schlössern der verschiedenenResidenzen, so aus Neuburg und auch aus der dortigenKirche allmälig die geeigneten Meisterwerke nach Düssel-dorf überführen. Bezeichnet werden speciell von RubensWerken „Niederlage der Amazonen am Thermodon", „DieMärtyrer", „Das Weltgericht" und „Die HimmelfahrtMaria", welch letzteres Bild wegen seiner grossen Dimen-sionen hier nur in der Stiftskirche placirt werden konnteund in der That zu dem Plan eines neuen geräumigen Gallerie-aufbaues in der Folge den Anstoss gegeben haben soll. Auchim weiteren Verlauf hat dieses letztere Bild eine speciellfür Düsseldorf interessante, ereignissreiche Geschichte. Istes doch das einzige Werk von Bedeutung, welches aus demüberreichen Schatz der alten Gallerie der Stadt bis aufden heutigen Tag erhalten worden ist in einer manchmalan das Wunderbare grenzenden Weise, so bei den mehr-fachen Entführungen der Gallerie und bei dem letzten grossenBrande des alten Schlosses. Schon diese Vergangenheitverleiht dem Bilde einen besonderen Reiz; vornehmlichaber auch wegen seines hohen Kunstwerthes wäre es wohlzu wünschen, dass ihm ein Platz angewiesen würde, woBeine hehre, lichtvolle Schönheit nicht nur einzelnen Be-vorzugten, sondern Allen mit Leichtigkeit zugänglich ge-