280 Ettivtnckelung des Schulwesens zu Düsseldorf.
am 11. Oct. 1860 das neue Gebäude in der Klosterstrasse.Von nun an nahm die Entwicklung der Anstalt ihren stetigenFortgang. Herbst 1864 wurden zwei Vorschulklassen,später Parallelklassen eingeführt, seit Ostern 1883 Gym-nasialklassen; in diesem Schuljahre ist die Gymnasial-Oberprima angeschlossen und damit das städtische Gym-nasium vollendet worden. Heinen starb plötzlich im Jahre1870; Professor Dr. Honigsheim leitete interimistisch dieAnstalt, bis Director Ostendorf 1872 dieselbe übernahm.Als auch dieser 1877 starb, folgte ihm Böttcher bis 1882,dann Kirchner bis 1885. Von dieser Zeit an führt Dr. Matthiasdie Direction der Schule. Diese erfreute sich besondersunter den beiden letzten Dirigenten einer stets wachsendenBlüthe. Vorher nämlich war ein stetiges Steigen der Fre-quenz bis 1872 erkennbar, dann sank dieselbe durch Er-richtung der Bürgerschule, durch den wirthschaftlichenRückgang und durch eine stets zunehmende Abneigunggegen die Realbildung. Letzterer Umstand nöthigte, wieoben erwähnt, dazu, den Lehrplan nach der Gymnasial-Richtung zu ändern. Diese den Wünschen der Bevölkerungentsprechende Verschiebung hat auf den Besuch so vorteil-haft eingewirkt, dass in diesem Jahre die Frequenz auf490 gestiegen ist. So kann die Schule, welche noch kürzlichdas Jubüäum ihres 50jährigen Bestehens gefeiert hat, imBesitze eines wohleingerichteten Unterrichtsapparates mitZufriedenheit auf den zurückgelegten Weg blicken und mitZuversicht der Zukunft entgegensehen. Allerdings ist ihrweiterer Entwickelungsgang von Bedürfnissen und Wünschenabhängig, die man für längere Zeit nicht voraussehen kann.Wie Matthias am Schluss seiner Geschichte der Gymnasial-abtheilung bemerkt, ist zwar schon jetzt das Gymnasiumals Hauptanstalt anzusehen, während die Realklassen, dieder Schule den Namen gaben, sich an dasselbe anlehnen.Aber vielleicht verlegt die Zukunft wieder den Schwer-punkt auf die reale Richtung, der die Schule ihre Ent-stehung verdankt. Wer weiss es ?
Wenden wir uns nach diesem kurzen Ueberblick überdie Geschichte des hiesigen Realgymnasiums zur höherenBürgerschule. Durch die Unterrichts- und Prüfungs-ordnung vom 6. October 1859 war der Begriff von höherenBürgerschulen dahin bestimmt worden, dass sie dem Plander Realschule erster Ordnung bis zur Prima ausschliess-lich folgten. Sie standen also in demselben Verhältnisszum Realgymnasium, wie die Progymnasien zu den Gym-nasien. Die höhere Bürgerschule, wie sie heute in denmeisten grösseren Städten besteht, eingerichtet nach demLehrplan vom 31. März 1882, ist eine höhere Lehranstalt