Druckschrift 
Geschichte der Stadt Düsseldorf : in zwölf Abhandlungen ; Festschrift zum 600jährigen Jubiläum
Entstehung
Seite
257
Einzelbild herunterladen
 

Entwickelung des Schulivesens zu Düsseldorf,

257

der die Schulen wohl besorgen und mit Rath und Zustim-mung des Dechanten und Kapitels Schulmeister anstellenBolle, die sich durch Bildung, gläubige Gesinnung empfehlenund in den Wissenschaften wohl unterrichten könnten.Vom Scholasticus also wurden die Lehrer (Rectoren, Con-rectoren, Schulmeister, oder auch Ludimagistri genannt)ausgewählt und in ihr Amt eingeführt; dieselben hattenin der Regel neben ihrem Amte den Kantor- und Organisten-dienst zu übernehmen. Diese Leute besassen schon durchdie Kenntniss der liturgischen Formeln und des Kirchen-gesanges mit seinen Noten und seinem Texte eine höhereBildung als das gewöhnliche Volk, dazu wurden sie nochin besonders eingerichteten Küsterschulen vorgebildet. ImAnfange, wo nur wenige Schulen in Düsseldorf waren, wirdder Scholasticus den Religionsunterricht und den Unterrichtbesonders der Chorknaben selbst in der Hand gehabt haben.Ferner hatte er wohl die Unterweisung der Kleriker zu leiten,welche sich dem Unterrichte der lateinischen oder derTrivial- oder Stiftsschulen widmen wollten. In den Ur-kunden werden Kapläne und Küster hauptsächlich als solchegenannt, welche in der Stiftsschule unterrichteten. Oftfigurirte ein Lehrer dieser zugleich als Schreibmeister inder kleinen Schule, wodurch eine enge Verbindung zwischenbeiden erzielt wurde.

Der Einfluss der Kirche wurde wohl zuerst in Bezugauf die Wahl der Lehrer beschränkt. Während Anfangsder Wille des Scholasticus oder des Kapitels den Ausschlaggab, bemerken wir später bei den Stadtbehörden das Streben,das Schulwesen und besonders die Anstellung der Lehrerin ihre alleinige Gewalt zu bekommen. So entbrannte zu-weilen zwischen dem Scholasticus und dem Magistrate einStreit, welcher in der Regel zu Gunsten der Stadt, zuweilendes Kapitels beigelegt wurde. Z. B. schreibt 1699 derMagistrat an das Kapitel, dass er seit undenklichen Jahrendie Schulmeister der unteren Klasse angestellt habe, wieer aus verschiedenen Bestallungen nachweist. Dechantu nd Kapitel remonstrirten, dass ihnen vermöge ihrer Fun-dation allein zustehe, einen Schulmeister anzuordnen.Bürgermeister und Rath habe trotzdem nach Absterbendes Schulmeisters Nosthoff den Agricola angestellt. AlsAgricola starb, sandte das Kapitel einen Notar an die Stadtuüt der Bitte, einen Ort zu nennen, wo man gemeinschaft-lich einen Ludimagister wählen könne. Der Rath wiesdies von der Hand und erklärte, bei seinem Standpunktzu verbleiben. Der Notar präsentirte zwei passende Per-sonen, von denen eine später als Lehrer allseitig anerkanntwurde. Hier trug also das Kapitel den Sieg davon. Schwer