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Geschichte der Stadt Düsseldorf : in zwölf Abhandlungen ; Festschrift zum 600jährigen Jubiläum
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Geschichte der jüdischen Gemeinde Düsseldorfs.

nach alter Gewohnheit gewählt worden waren und ihresAmtes mit Treue und Hingebung, mit frommem Ernstund der nöthigen religiösen Wärme gewaltet hatten, nichtvon Allen anerkannt wurden, und dass von der andernSeite der Versuch gemacht und thatsächlich ausgeführtwurde, einen Gegenvorstand zu wählen und den Vorstandund dessen Befugnisse zu reformiren.

Während der Fremdherrschaft hatten sich zahlreicheJuden in dem Grossherzogthum Berg niedergelassen, ohnesich dem Gemeindeverbande anzuschliessen und die gemein-samen Lasten tragen zu helfen. Schon Landrabbiner Scheuermachte gelegentlich der für das Jahr 1812 anbefohlenenWiederaufnahme der Bevölkerung darauf aufmerksam, dass„die seit einiger Zeit aus fremden Orten hierher verzogenenIndividuen" in seiner Aufnahme nicht eingeschlossen seien,zu seiner Gemeinde nicht gehören und es aus diesem Grundedem Maire leichter sei als ihm, hierüber ein genaues Verzeich-niss aufnehmen zu lassen. Aus diesen Zugezogenen oderaus den bis dahin nicht mitgezählten jungen, meistens un-selbstständigen Leuten rekrutirten sich zumeist die Neuerer,welchen die durch gemeinsame Kämpfe und Sorgen und dielangjährige, durch viele Geschlechter von den Vorfahrenüberkommene und geweihte Zusammengehörigkeit, sowiedie ererbten lokalen Traditionen fehlten. Da sie aber inder Mehrheit waren, gelang es ihnen allmählich, die älteren,bewährten und opferfähigen Gemeinde-Mitglieder eine Zeitlang zu majorisiren.

Bezeichnend ist eine Eingabe von Simon Prag, eineswohlthätigen, glaubenseifrigen, gebildeten Mannes, der langeJahre die Gemeinde verwaltet hatte, das Vertrauen nichtnur der jüdischen, sondern auch der christlichen Mitbürgerin hohem Grade genoss, und einen Beweis dafür durch dieUebertragung vieler Ehrenämter, besonders durch die Wahlals Stadtverordneter bekommen hatte. Dieser lehnte eineim Jahre 1824 auf ihn gefallene Wahl als Deputirter derGemeinde ab, weil er in seinem „bereits über 60 Jahre vor-gerückten Alter" seine eigenen, wie viel weniger fremdeGeschäfte mit der nöthigen Umsicht nicht zu versehenvermöchte. „Seit mehr denn 20 Jahren habe ich mit regemEifer der Gemeinde vorgestanden und deren Wohl überallzu fördern gestrebt; nun aber kann und werde ich michnicht ferner dazu verstehen, um so weniger, als jetzt derGeist des Widerspruchs immer mehr und mehr um sichgreift, die Geschäfte erschwert und mir meines Lebensletzte Tage verbittern würde." Solcher Schwierigkeitenbei den Wahlen und den sonstigen Gemeindeangelegenheiten