200 Geschichte der jüdischen Gemeinde Düsseldorfs.
belebt, machen, wie muss nicht in ihrem Schosse Humanitätund Grossherzigkeit zu einer schwachen verkrüppeltenPflanze zusammenschrumpfen.
Doch welchen Geist haben Sie, hochherzige, edle Männerdes freien Rheins, bekundet! Nicht Gnade wollten Siespenden, sondern im reinsten Hochgefühle Recht er-t heilen: Sie wurden von dem Genius der Wahrheit geleitet,der über Vorurtheil und Selbstsucht erhebt, darum sprachenSie „ungetheilte bürgerliche Gleichstel-lung" aus, ertönte aus Ihrem Munde das Wort, auf dasjahrelang geharrt wurde.
Hohe Ständeversammlung! Es ist das von innigemDanke tiefbewegte Gemüth eines Juden, das diese Zeilendictirt; und er darf mit Gewissheit aussprechen, dass vieleTausende seiner Glaubensgenossen, die, wenn auch gleichihm vom Rheine fern lebend und zu Preussens Unterthanensich nicht rechnend, in dieses Gefühl mit einstimmen. Esist aber auch nicht minder die Aeusserung eines Mannes,den jeder gegen die Bekenner einer andern Confession geübteDruck auf's tiefste verwundet; den die Leiden der Pro-testanten in den Piemontesischen Gebirgen mit nicht ge-ringerm Schmerze erfüllen, als die der Juden in den meistenchristlichen und die der Katholiken in manchen protestan-tischen Ländern. Das Wort „Mensch" soll zu seiner wahrenBedeutung und Geltung kommen; und wie traurig, wenndie Religion, die Botin des Friedens und der Liebe, dieVeranlasserin des bittersten Unrechts wird! — Es ist end-lich die Stimme eines Deutschen, der auf deutschem Bodengeboren, in deutschen Sitten grossgezogen, auf den Nameneines Deutschen stolz sein Auge bewundernd zu der Höheerhebt, die deutsche Wissenschaft und Bildung erreicht;und doch sieht er sich in dem Volke, dem er der Confessionnach angehört, zurückgedrängt, muss, was dem Menschenam theuersten, die Freiheit, bei auswärtigen Nationen fürseine Glaubensgenossen suchen! Nach Frankreich, Belgien,Holland schweifte der Blick hinüber, in Germaniens Gauenkonnte er mit Ausnahme Churhessens nicht den erwünschtenRuhepunkt finden: der Deutsche, dem Recht heilig, derFreiheit zum Paniere erhebt, will er allein die Freiheit desMenschen im Juden verkennen, er, der Hochgebildete,hinter seinem westlichen Nachbar so weit zurückstehen?
Sie, erhabene Männer! haben die Ehrenrettung Deutsch-lands übernommen; und Ihr Wirken ist um so bedeutens-reicher, als es in einen Zeitraum fällt, in welchem der BrustVieler mancher Seufzer über Rückschritte entfährt, dieauf dem Gebiete der Humanität drohen. Da erhebt das edle