Druckschrift 
Geschichte der Stadt Düsseldorf : in zwölf Abhandlungen ; Festschrift zum 600jährigen Jubiläum
Entstehung
Seite
186
Einzelbild herunterladen
 

186

Geschichte der jüdischen Gemeinde Düsseldorfs.

schrift, welche ein Zeugniss fast fanatischen Judenhassesist, wird den Ständen unter Verkennung aller thatsächlichenund geschichtlichen Verhältnisse das denkbar Schlimmsteüber die Juden aufgetischt. Es sei wünschenswerth,die Juden aller Provinzen einem General-Synhedrio oderConsistorio unterzuordnen, welches aus Männern besteht,die wegen ihrer Kenntnisse, Aufklärung und Rechtschaffen-heit das öffentliche Vertrauen verdienen und demselbennach Massgabe des Bedürfnisses Provinzial-Consistorienunterzuordnen, welche das Kirchenwesen der Juden nachden vom General-Synhedrio vorzuschlagenden Principienund Lehren besorgen. Die Kinder müssten sämmtlich inchristliche Schulen geschickt werden, damit sie nicht bloshebräisch lesen und schreiben lernten, um in einer unver-ständlichen und geheimen Sprache sich unentdeckt ihreGeheimnisse und Betrügereien mitzutheilen und rechnenzu lernen, was zur Berechnung wucherischer Procente nöthigist, und damit sie nicht in ihrem angebornen und man könntefast sagen in ihrer Religion begründeten Wucher- undSchachersystem hartnäckig beharrten. Die Ausnahme-bestimmungen des Gesetzes vom 17. März 1808 solltendaher verlängert und auch auf die Landestheile ausgedehntwerden, in welchen es bisher noch keine Geltung hatte.Diese Ausführungen, welche den täglich zu machendenWahrnehmungen offenbar Hohn sprachen, mussten in einerZeit, wo die Juden aller Länder Proben ihrer wissenschaft-lichen Befähigung gegeben, ihren Mitbürgern mit gutemErfolge auf allen Gebieten gemeinnütziger und staatlicherBestrebungen sich angeschlossen hatten, wo die von MosesMendelssohn und Lessing ausgestreute Saat bereits aufgegan-gen war, in einer Zeit, wo die Wissenschaft des Judenthumseine achtunggebietende Stellung einzunehmen angefangenhatte und sich anschickte, eine deutsche Wissenschaft zuwerden, wo formvollendete deutsche Predigten in denjüdischen Gotteshäusern gehört wurden, wo Moses Monte-fiore bereits das lautere Gold seines Herzens offenbart undals Sheriff von London sich bewährt hatte, in einer solchenZeit wirkten solche Ausführungen, wie diese Denkschriftsie enthielt, vielleicht besser als alle Schutzschriften für dieJuden, da sie allen Unbefangenen die Augen darüber öff-neten, wie weit die Verblendung und der Judenhass dieMenschen von der Wahrheit zu entfernen vermögen. Kaumwar es nötig, aber man wird es begreiflich finden, dass diejüdische Gemeinde Düsseldorfs, als des Ortes, wo das Verdictüber das Judenthum gefällt werden sollte, es für ihre Ehren-pflicht hielt, ein Promemoria gegen diese Denkschrift denversammelten Landständen zu überreichen, zumal da die