136
Geschichte der evangelischen Gemeinde Düsseldorfs.
das Kirchenwesen überweist, zugleich aber auch durchdie Anordnung der grösseren Gemeinde-Repräsentationen,der Provinzial-Synoden u. s. w. der Kirche ein grösseresMass von Selbständigkeit verlieh und den ersten Schrittzur Einheit uiid Selbständigkeit der gesammten evan-gelischen Kirche in Preussen bezeichnete. Dazu trat dasüberaus segensreiche Werk der „Union" der lutherischenund reformirten Kirche, eine Frucht namentlich des 300jäh-rigen Reformations-Jubiläums im Jahre 1817 und zugleicheigenstes Werk des preussischen Königs. Ein frischerGeisteshauch durchwehte die evangelische Kirche der West-provinzen und gab sich ebensosehr durch das Wieder-erwachen eines tieferen Glaubenslebens als durch Gründungzahlreichster christlicher Vereine und Stiftungen kund.Auch die beiden Düsseldorfer evangelischen Gemeindenhaben von der Schmach und Noth des ersten Jahrzehntsdieses Jahrhunderts ihr Theil mitbekommen. Die reformirteGemeinde war durch die Kriegsnoth so sehr in Schuldengerathen, dass sie sich genöthigt sah, die Kirchensitze zuvermiethen, und ihre lateinische Schule war so verfallen,dass fast gar keine Schüler mehr dieselbe besuchten undder Rector Gadermann 1804 das Schulzimmer in einWohnzimmer verwandeln konnte. Auch an Seelenzahlsah sich die Gemeinde im Jahre 1806 auf 970 herabgesunken.1805 wird ihr das Beerdigen in den Kirchen von der Re-gierung verboten; die confessionellen Kirchhöfe werdengeschlossen, der Communal-Kirchhof an der GoltzheimerInsel eröffnet und so vertheilt, dass den Katholiken %,den Protestanten % der Grundfläche überwiesen wird.Zufolge Einführung des Code Napoleon müssen 1808 dieTauf-, Copulations- und Sterbe-Register an die Mairie ab-geliefert werden. „Gehorsam ist des Bürgers Pflicht",sagt lakonisch das betreffende Consistorial-Protokoll. An„Diener - Steuer" (Predigergehalts - Beiträgen) gehen nur660 Rthlr. ein. Am Sonntag den 4. Juni 1809 muss sogarein Siegesfest für die Siege Napoleon's, welche die Einnahmevon Wien zur Folge hatten, gefeiert werden. 1810 müssenwegen Einführung der Civil-Ehe Kirchenzuchts-Massregelngegen solche Personen, welche sich nicht kirchlich copulirenlassen, beschlossen werden. Dem Kaiser Napoleon musstenbei seinem Besuche die Prediger, sowie Aelteste und derSchulmeister mit den Kindern entgegengehen. 1811 wirddie Gemeinde gezwungen, ihre Armen - Kapitalien derMairie anzugeben, und es sollen fortan nicht allein die Zinsenderselben, sondern auch jährlich ihr auf 200 Rthlr. veran-schlagtes, in den Gottesdiensten gesammeltes Armengeldan das Central-Bureau der Armenverwaltung abgegeben