Druckschrift 
Geschichte der Stadt Düsseldorf : in zwölf Abhandlungen ; Festschrift zum 600jährigen Jubiläum
Entstehung
Seite
134
Einzelbild herunterladen
 

134

Geschickte, der evangelischen Gemeinde Düsseldorfs.

werden könne. 1748 wird ein neues Pfarrhaus an Stelledes alten erbaut; 1755 das dem letztern gegenüberliegendeHaus dem Rector R e i t z und seiner Schule überwiesen,1765 eine neue Orgel von Teschemacher in Elberfeld zu850 Rthlr. gekauft; 1767 eine neue Galerie in derKirche für die Mannspersonen erbaut, 1776 ein Armenhausgekauft.

Nach einer im Protokollbuch von 1790 befindlichenZusammenstellung des Vermögens besass die Gemeindedamals an Kirchen-Kapitalien 6250 Rthlr., an Armen-Kapitalien 7200 Rthlr., 4 Häuser, welche 275 Rthlr. Mietheabwarfen, und das Armenhaus, welches 20 Rthlr. Mietheaufbrachte. Das sächsische Subsidium brachte jährlichp. p. 100 Rthlr. ein. Die jährlichen festen Einkünfte be-liefen sich auf 625 Rthlr., für die Armen ausserdem auf310 Rthlr. Alles andere musste durch Collecten aufgebrachtwerden.

Diese Collecten lieferten immerhin beträchtliche Er-träge; der Aelteste Fahim er konnte z. B. von seinerCollecte in Holland 800 und Pastor Stohlmann ebendaher1528 Rthlr. abliefern. Auch empfing die Gemeinde manchebedeutendere Vermächtnisse, z. B. 1742: 4500 Rthlr. voneinem Kaufmann Siegfried Ackermann in Leipzig, 1781:500 Rthlr. von Commercienrath Eahlmer, 1784: 500 Rthlr.von Georg Hoff mann für die Armen, 1785: ein Haus vondem Generalmajor Frh. von Hammerstein zum Besten derArmen etc. Auch aus den Begräbnissen in der Kirche undder Verwerthung der Kirchenstühle wurden die Mittel zumUnterhalt des Gemeindewesens genommen; doch wurdendie ersteren zur französischen Zeit untersagt und bei derRestauration der Kirche im Jahre 1779 kamen auf Beschlussder Gemeinde auch die Bankberechtigungen in Wegfall,wodurch freilich jahrelange und gehässige Processe mit denehemaligen Eigenthümern herbeigeführt wurden.

Vor dem Eindringen des Rationalismus wurde dielutherische Gemeinde (im Gegensatze zu der reformirten)dadurch verschont, dass, wie es scheint, sämmtliche Pastorentreu an der Kirchenlehre festhielten. Aber mit dem Ein-dringen der französischen Aufklärung und der französischenHeere, Sitten und Unsitten schwanden auch in der luthe-rischen Gemeinde die alte Gottesfurcht und Kirchlichkeit,Kirchenzucht und Sittenstrenge mehr und mehr dahin,wie die Predigten des letzten lutherischen Pfarrers, desnachmaligen Oberconsistorialraths Dr. th. Theodor Hart-mann, es oft genug beklagen. Es war Zeit, dass die grossenpolitischen Katastrophen zu Ende des vorigen und zu An-