130 Geschichte der evangelischen Gemeinde Düsseldorfs.
tragung eines holländischen Liedes), „Erwach', o Mensch,erwache", „Friede, ach Friede, o göttlicher Friede", unddas schöne Morgenlied: „Herr Jesu, ewges Licht".
In welchem Geiste Crasselius sein Amt auffasste, gehtaus dem Gedichte zum 1. Januar 1710: „Geistliche Neu-jahrs-Posaune" hervor, in welchem es u. A. heisst:
Ihr rühmet euch der wahren Lehre,Wer giebet aber Gott die EhreUnd lebt der wahren Lehre nach tSo wisset doch, dass alles LehrenBei eurem so glaublosen HörenDurchaus nicht sei genug zur Sach'.
Der Himmel möchte drob erschüttern,
Die Erde beben und erzittern,
Dass Alles so im Argen liegt.
Der Leute Thun in jedem Stande
Ist meist nur Bosheit, Sund und Schande,
Wenn man's nach Gottes Wort erwiegt.
Ein Jeder lebt dahin
Nach seines Fleisches Sinn,Frei und sicher,In Frechheit toll und Frevelsvoll,Als war kein Gott, der strafen woll.
Sein Zorn entbrannt', sein Schwert ist trunken
Im Himmel, und er will es tunken
In der verbosten Mensehen Blut.
Der Reiter auf dem rothen Pferde
Nimmt weg den Frieden von der Erde
Und flammet an des Krieges Glut etc.
Crasselius verfasste zwar auch manche harmloserescherzhafte Gelegenheits-Gedichte, von welchen etliche imKirchen-Archiv aufbewahrt sind, strafte aber in seinenPredigten die todte Rechtgläubigkeit und das damit Handin Hand gehende leichtfertige Leben seiner Gemeinde-glieder nicht selten in so scharfer Weise, dass er wegendieser „Anzüglichkeiten" von seinem Consistorium zurRede gestellt und gelegentlich einer Kirchen-Visitation imJahre 1715 von dem Inspector des Bergischen lutherischenMinisterii verwarnt wurde. Offenbar vertrat Crasseliusden Standpunkt eines Spener und Franke gegenüber dermehr und mehr erstarrenden orthodoxen Richtung seinerZeit. Die Grabschrift seines Leichensteines vor dem Altarder Kirche bezeichnet ihn übrigens als „wachsamen undglaubenseifrigen Hirten", und sein auf demselben Steineangebrachtes Siegel zeigt den „guten Hirten" mit der Um-schrift: „Der gute Hirte, mein göttliches Panier", sowieden bezeichnenden Text der ihm gehaltenen Gedächtniss-predigt Joh. 16, 33: „Solches habe Ich zu euch geredet,