118
Geschichte der evangelischen Gemeinde Düsseldorfs.
Unter den vielen einheimischen und auswärtigen Wohl-thätern, welche die Gemeinde in dieser schweren Zeit unter-stützten, ist namentlich die Pfalzgräfin und HerzoginKatharina Charlotte zu nennen, welche dempfälzischen Fürstenhause angehörig, auch trotz dem Ueber-tritt ihres Gemahls, des Herzogs Wolfgang Wilhelm zumKatholicismus, ihrem reformirten Bekenntniss unwandel-bar treu verblieb, in der fürstlichen Hof kapeile durch ihreHofprediger Johannes H u n d i u s und Andere evangelischenGottesdienst abhalten Hess und sich mit landesmütterlicherFürsorge aller bedrängten Glaubensgenossen in der Näheund Ferne annahm. Sie bewilligte z. B., dass die in derSchlosskirche gesammelten Gaben den Armen der hiesigenreformirten Gemeinde zu gute kämen, liess auf ihre Kostenarme Kinder derselben, besonders pfälzische, durch einenLehrer aus Zweibrücken, Melchior F e y e 11, unterrichten,und rettete den schon zur Erschiessung verurtheilten PredigerJohannes Lünenschloss von Solingen, als er nachDüsseldorf transportirt wurde und die Herzogin ihm zu-fällig in Hilden begegnete, dadurch vom Tode, dass sie ihnin ihrem eigenen Wagen mit nach Düsseldorf nahm undbei dem Herzog für ihn eintrat. Sie starb am 21. März 1651,von ihren Glaubensgenossen als eine „hohe Säule ihrerKirche" heiss beweint, und ruht in der Fürstengruft derhiesigen Lambertuskirche. Die von ihr der reformirtenGemeinde geschenkten Abendmahlsgefässe befinden sichnoch im Gebrauche der hiesigen evangelischen Gemeinde.Dass mit dem Ende des 30jährigen Krieges auch fürdie reformirte Gemeinde in Düsseldorf ruhigere Zeitenanbrachen, geht daraus hervor, dass der im Jahre 1644berufene Prediger Peter Sonder mann bis an sein Ende(1663) bei derselben verblieb. Ihm folgte Jac. Lehnhoff,der sich durch hohe katechetische Begabung auszeichneteund von dessen Hand sich noch ein beachtenswerthes Gut-achten über die Vereinigung der Lutheraner und Reformirtenim Gemeinde-Archiv befindet. Als dieser im Jahre 1667nach Elberfeld berufen wurde, erwählte die Gemeinde dennoch jugendlichen, aber sehr eifrigen Prediger Stein-hausen, der in Folge seiner labadistischen Richtungin mancherlei Kämpfe verwickelt wurde, aber schon 1673starb. Sein Nachfolger wurde Sylvester L ü r s e n ausDanzig, der im Jahre 1677 eine Streitschrift wider denhiesigen Jesuiten Nacatenus ausgehen liess, aber auch mitdem Rector der lateinischen Schule, dem berühmten Lieder-dichter Joachim Neander in ziemlich gehässigeStreitigkeiten gerieth, weil dieser in Wort und Wandelebenfalls die mehr innerliche und mystische Richtung des