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Geschichte der Stadt Düsseldorf : in zwölf Abhandlungen ; Festschrift zum 600jährigen Jubiläum
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Geschichte der evangelischen Gemeinde Düsseldorfs. 117

geschlossen und die freie Religionsübung ver-boten wurde, ein Zustand, der bis zu d e m Jahre1643 währte. Auf die wiederholten Bittgesuche um Auf-hebung dieser Massregeln wurde der Gemeinde u. A. geant-wortet, dass die letzteren nur zum Besten der Gemeindedienen, damit dieselbe desto mehr Anlass habe, zu der katho-lischen Kirche zurückzukehren. Sie konnte sich nur nochwie ehedem gruppenweise in einzelnen Häusern versammeln;die auf Poppinghaus folgenden Prediger wurden nur mitMühe und für kurze Zeit gewonnen, die Schule nur durchdas Brandenburgische Subsidium von jährlich 1000 Thlr.erhalten. Eine Zeitlang mussten sogar die Sonntagsgottes-dienste um allerlei Ungelegenheit willen fortfallen; derPrediger Dav. Bongart konnte sein Amt nur unterder Bedingung annehmen, dass er Frau und Kinder nichtmitzubringen nötig habe, und Gabriel Kohlhagen (1635bis 1637) musste die Gemeinde verlassen, weil ohne obrig-keitliche Bewilligung kein neuer Bürger aufgenommenwerden dürfe. So sah sich die Gemeinde auf die gelegent-liche Bedienung durch auswärtige Prediger angewiesen,ihre Kirche wurde als Scheune für den Hof benutzt, imJahre 1638 auch die Schule geschlossen und jede geistlicheAmtshandlung untersagt.

Es ist um so ehrenvoller, dass die Gemeinde trotz allerdieser Bedrängnisse den Opfermuth besass, noch im Jahre1625 ein Armenhaus und im Jahre 1643 eine für die ganzebergische Synode bestimmte theologische Bibliothek zugründen, welche noch heute besteht. Auch geht aus einemnoch erhaltenen Verzeichniss hervor, dass die Gemeindeim Jahre 1641 noch 700 Glieder, darunter 500 Communi-canten, zählte. Oben unter dem Dache des Predigerhauseshielt sie ihre Gottesdienste, bis sie zu Anfang des Jahres

1643 es wagte, sich wieder in ihrer Kirche zu versammeln.Dies wurde zwar schon am 16. Februar wieder verbotenund ihren Mitgliedern sogar das Bürgerrecht und das Rechtder Erbtaufe aberkannt; aber am Palmsonntag des Jahres

1644 durfte sie ihre Kirche wieder beziehen, und am 1. Oster-tage dieses Jahres feierten dann 450 Communicanten dash. Abendmahl in derselben. Die Bedrückungen hörten zwarauch dann noch nicht völlig auf; u. A. wurde die Schulezu wiederholten Malen geschlossen, und die Gemeinde-glieder wurden gezwungen, der Procession nach der Pempel-forter Rochuskapelle beizuwohnen. Doch bewirkten dieKlassen der Gemeinde bei der brandenburgischen Regierung,dass diese durch Repressalien die endliche Beseitigung dieserDrangsale herbeiführte.