Geschichte der evangelischen Gemeinde Düsseldorfs.
115
protestantischen Unterthanen zu bedrängen fortfuhr, soeröffnete der Kurfürst im Jahre 1651 nochmals den Krieg,der wiederum unsägliches Elend mit sich brachte, bis esendlich durch die von den clevischen und märkischen Ständenflehentlich angerufene Vermittelung der Niederländer gelang,am 9. September 1666 einen Friedensvertrag zu Stande zubringen, wodurch das kurfürstliche Haus in den vollenBesitz von Cleve, Mark, Ravensberg und Mors, der Pfalz-graf in den von Jülich, Berg und Ravenstein gelangte. DieReligionsangelegenheiten wurden durch besondere Recesse(1665 und 1672) geregelt. Nach denselben erhielten imJülich'schen die Reformirten an 34, die Lutheraner an 7 Orten,im Bergischen jene an 30, diese an 34 Orten freie Religions-übung.
Dass das Jahr 1609 auch für die Evangelischen inDüsseldorf ein hochbedeutsames war, geht schon daraushervor, dass. mit dem 9. Januar dieses Jahres das Consistorial-Protokoll der reformirten Gemeinde, deren Geschichte wirzunächst weiter verfolgen, beginnt. Zwar wird noch indiesem Protokoll den neüaufgenommenen Gemeindegliederneingeschärft, dass sie „schweigen" sollen, damit die Gemeindenicht in Ungelegenheiten komme, aber das Consistoriumveranstaltet doch am 25. März aus Anlass des Todes desHerzogs Johann Wilhelm einen Buss- und Bettag und ent-eendet schon im Juni seine ersten Vertreter (Kridtfus undJohann Lohe) zum Convent der Düsseldorfer Classe. Einfestes gottesdienstliches Lokal besitzt sie noch nicht; derPrediger Philipp Poppinghaus aus Neviges predigtegastweise in dem Saale eines Hauses am Markte, „zumweissen Ross" genannt, dann in der Behausung des fürst-lichen Baumeisters Pasqualino „Hirzbach's Haus" genannt,und in dem Saale eines Färbers Heinrich Heines. DerselbePrediger wird dann der Nachfolger des bisherigen hiesigenPrediger Philipp Polichius und verwaltet das Predigt-amt vom 1. Januar 1610 bis zu seinem Tode am 5. Sep-tember 1642. Ueberhaupt erscheint die reformirte Gemeindeöiit dem Jahre 1609 als eine „öffentlich e". Ihre■Weitesten leiten die Gottesdienste mit Bibelvorlesungenund Gebet ein; alle Kinder werden im öffentlichen Gottes-dienst getauft; die Gemeinde erwirbt einen Bauplatz ander Kurzestrasse, und schon im Dezember 1610 wird daserste Brautpaar in dem dort erbauten Gotteshause (Predigt-h-aus ohne Thurm und Glocke) getraut. Am 10. Juli 1611Wurde sogar der Düsseldorfer Classical-Convent in ihresPatriarchen, des Färbers (Cornelius) Hause gehalten. AuchUnterhält die Gemeinde schon eine Rektoratschule,a ls deren erster Schulmeister ein gewisser „Petrus" und
8*