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Geschichte der Stadt Düsseldorf : in zwölf Abhandlungen ; Festschrift zum 600jährigen Jubiläum
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114 Geschichte der evangelischen Gemeinde Düsseldorfs.

mund von Brandenburg und PfalzgrafWolfgang Wilhelm von Neuburg als nächst-berechtigte Prätendenten um die Herrschaft über die ver-waisten Lande, Hessen dieselben gleichzeitig durch ihreGesandten in Besitz nehmen und würden wohl sofort inKrieg mit einander gerathen sein, wenn nicht LandgrafMoritz von Hessen im Interesse des Protestantismus dieVermittlerrolle übernommen hätte. Der Vertrag zu Dort-mund (31. Mai 1609) ordnete eine vorläufige gemeinschaft-liche Regierung an. Durch eine Verheirathung des jungenPfalzgrafen mit der ältesten Tochter des Kurfürsten, AnnaSophia, sollte die Versöhnung im Jahre 1613 vollzogenwerden; als aber der Pfalzgraf verlangte, dass ihm Jülichund Cleve als Mitgift zum alleinigen Besitz überlassen werde,und diese Forderung bei einem Gastmahl auf dem Schlossezu Düsseldorf ertrotzen wollte, liess sich der Kurfürst vonseinem Zorne so weit fortreissen, dass er nach einer weit( verbreiteten, jedoch durch Zeitgenossen nicht verbürgtenNachricht dem Pfalzgrafen eine Ohrfeige ertheilte. Dieserschwur Rache, heirathete die bayrische Prinzessin Mag-dalena, Schwester des Herzogs Maximilian von Bayern, undtrat 1614 zum Katholizismus über, der Krieg war unver-meidlich. Die Niederlande traten auf Seite des inzwischenzur reformirten Confession übergegangenen Kurfürsten, derKaiser mit seinen spanischen Heeren auf Seite des Pfalz-grafen. Kriegsheere wälzten sich über die unglücklichenLande hin; der dreissigjährige Krieg, in welchen dieselbenauch in etwa verwickelt wurden, erhöhte die Drangsale,die evangelischen Gemeinden waren der Schauplatz dergrössten Gewaltthaten. Je nachdem das Kriegsglück wech-selte, wurden ihnen Prediger, Kirchen und anderes Besitz-thum genommen oder zurückgegeben. Der Gottesdienstmusste vielfach in Wäldern und Höhlen gehalten werden;die Protestanten wurden gezwungen, den katholischenCeremonieen ihre Huldigungen darzubringen und die heiligenHandlungen durch katholische Priester vollziehen zu lassen;ein Jahr lang war das ganze Jülicher Land seiner protestan-tischen Prediger beraubt. Allerdings verglichen sich diebeiden Fürsten 1629 durch einen zu Düsseldorf geschlossenenVertrag dahin, dass der Kurfürst das Herzogthum Cleveund die Grafschaft Mark, der Pfalzgraf die HerzogthümerJülich und Berg erhalten und beide zusammen die Graf-schaft Ravensberg besitzen sollten; infolgedessen wurdendie Lande 1631 von den fremden Truppen geräumt. Alleindie Wohlthaten des Friedens konnten, so lange der Kri«gim übrigen Deutschland währte, den Ländern nicht zurück-gegeben werden, und da namentlich der Pfalzgraf seine