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Geschichte der Stadt Düsseldorf : in zwölf Abhandlungen ; Festschrift zum 600jährigen Jubiläum
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112 Geschichte der evangelischen Gemeinde Düsseldorfs.

durch einen Schlaganfall gelähmt und durch viele Leidendarniedergebeugt, mehr und mehr einer geistigen Um-nachtung verfiel, welche sich seit 1570 so verschlimmerte,dass nur zeitweise lichte Augenblicke eintraten. Die in-zwischen mächtig gewordene aller Reform feindliche Gegen-partei riss die Zügel der Regierung an sich und hatte umso leichteres Spiel, als sich auch bei dem Jungherzog JohannWilhelm bald Vorzeichen des Tiefsinnes und einergeistigen Störung einstellten, welche auch durch seine imJahre 1585 erfolgte Heirath mit der durch Schönheit undGeistesschärfe gleich ausgezeichneten Markgräfin Jakobevon Baden nicht behoben wurde. Wohl beharrte eingrosser Theil der fürstlichen Räthe bei dem protestan-tischen Bekenntniss; aber derEinfluss des Kaisers, der imJahre 1591 seine Commissarien nach Düsseldorf sandte,um die am dortigen Hofe obwaltenden Verhältnisse zu über-wachen und eineRegimentsordnung" einzusetzen, nachwelcher die Regierung fortan geführt werden sollte, war zumächtig, als dass diese Räthe die Ueberhand hätten ge-winnen können. Und als vollends nach dem Tode Johann's III.und dem Regierungsantritt Johann Wilhel m's imJahre 1591 der Rangstreit zwischen der Schwester desLetzteren, S i b y 11 a , und der Herzogin Jakobe aus-brach, als dessen Opfer Jakobe im Jahre 1597 ermordetim Bette aufgefunden wurde, bot die übermächtige Gegen-parthei alles auf, um zu verhindern, dass bei der Kinder-losigkeit des Herzogs die Herrschaft an die älteste Schwesterdesselben, eben jene Sibylla, oder an eine andere ihrer dreiSchwestern, welche sämmtlich an protestantische Fürstenverheirathet waren, fallen möchte.

Unter diesen Umständen blieb den evangelischgesinntenBürgern der Stadt, welche seit dem Jahre 1570 am Hofekeine Stütze und in den kirchlichen Gottesdiensten keineihren Ansichten entsprechende Erbauung mehr fanden,nichts anders übrig als sich in aller Stille und Zurückgezogen-heit, so gut es anging, zu erbauen.Da hat man sich denn,"schreibt Melchior,nach angefangener LandesobrigkeitlicherReformationsordnung den Gottesdienst, so gut man konnte,unter vielen Trübsalen bedienen lassen und isteben dadurch desto mehr veranlasst worden, auch die nochübrigen bekannten Missbräuche zu verlassen und alles freynach der vollkommenen Richtschnur des göttlichen Worteseinzurichten."

Schon vom Jahre 1570 an bestand in Düsseldorf einesogenannteheimliche" reformirte Gemeinde, wahr-scheinlich auch eine lutherische, obwohl sich dies noch