Druckschrift 
Geschichte der Stadt Düsseldorf : in zwölf Abhandlungen ; Festschrift zum 600jährigen Jubiläum
Entstehung
Seite
94
Einzelbild herunterladen
 

94

Geschichte der katholischen Gemeinde Düsseldorfs.

regierte und das bergische Land durch seinen Statthalter,den Grafen Goltstein, verwalten liess. Sein Nachfolger, MaxJoseph, 17991806, von der Linie Pfalz-Zweibrücken,schickte seinen Vetter, Herzog Wilhelm in Bayern, als Statt-halter nach Düsseldorf. Als Max Joseph 1806 König vonBayern wurde, trat er das Herzogthum Berg an Napoleon I.ab, welcher dasselbe an Joachim Murat vergab. Nach demSturze Napoleon's kamen die bergischen Lande an die KronePreussen. Unter der Verwaltung des Grafen Goltstein hieltdie von Frankreich her kommende Aufklärung ihrenEinzug in Düsseldorf. Die mit Kurpfalz verbündeten Fran-zosen gründeten 1752 die erste Freimaurerloge in der Stadt,genannt La paix du Bas-Rhin. Von 17561762 und von17951801 hatte Düsseldorf französische Besatzung, wasfür Religion und Sittlichkeit nicht vorteilhaft war. ImJahre 1769 wurden die Kirchhöfe innerhalb der Stadt ge-schlossen; den Protestanten wurde ein Kirchhof am Kapell-chen in Derendorf angewiesen, den Katholiken der 1766neu angelegte Kirchhof auf dem Festungsglacis zwischen derStein- und Grünstrasse, welcher bis 1802 im Gebraucheblieb, da 1795 der gemeinsame städtische Friedhof angelegtworden war. Zum Zwecke der StrassenerWeiterung verlangte

die religiöse Frage immer eine Hauptrolle und wurde die Politikder Repressalien als zu Recht bestehend betrachtet und behandelt.Uebrigens brachte diese Politik den Jülich-Bergischen Protestantenkeinen Vortheil; denn erstens gab Kurbrandenburg den moisten Anlasszu Repressalien (vergl. Floss a. a. O., besonders S. 1643). Noch imJahre 1723 richtete Pfalz-Neuburg deshalb eine Beschwerdeschriftan den Kaiser: Allerunterthänigste Repraesentatio GravaminumReligionis Der Römisch Katholischen Jm Hertzogthumb CleveAuch Graffschafft Marck und Ravensberg. Cum JnstificationibusErstattet Von Jhro Churfürstl. Durchl. zu Pfaltz, Jülich- und Ber-gischer Regierung. Düsseldorff Getruckt bey Tillmano LiborioStahl, Churfürstl. privilegiirter Hoff- und Kantzley Buchtrucker1723. Ferner drohte Brandenburg in den Erbstreitigkeiten wiederholtmit bewaffnetem Einschreiten und führte diese Drohung sogar zwei-mal, 1647 und 1651, wirklich aus, indem es bis unter die MauernDüsseldorfs vorrückte. In solchen Zeiten erfreuten sich die Jülich-Bergischen Protestanten keiner glimpflichen Behandlung, weil manin ihnen die geheimen Freunde des Feindes erblickte. Abgesehenhiervon und von den Fällen, die sich als Repressalie erklären lassen,haben die Pfalz-Neuburgischen Fürsten die vor 1609 erworbenenRechte der Protestanten respektirt und damit Alles gethan, was sichin damaliger Zeit von einem Fürsten gegenüber andersgläubigenUnterthanen erwarten liess. Toleranz im heutigen Sinne konntensie nicht üben, weil eine solche Toleranz damals überhaupt nochunbekannt war. Ueber Wolfgang Wilhelm insbesondere vergl. Rässa. a. O., wo durch das Zeugniss des protestantischen HistorikersMenzel (Neuere Geschichte der Deutschen IV, 58 ff.) dargethan wird,dass ihn der Vorwurf der Unduldsamkeit nicht trifft.