70 Geschichte der katholischen Gemeinde Düsseldorfs.
diente der Anbau an der Südseite des Chores der Stifts-kirche, von dessen Höhe herab dem Volke die Heiligthümergezeigt wurden.
Eines der letzten Werke Wilhelms I. in religiöser Hin-sicht war die 1407 erfolgte Einführung einer Muttergottes-bruderschaft *in der vor dem Thor gelegenen Liebfrauen-kirche, aus welcher sich nachher die Rosenkranzbruder-schaft entwickelt hat. Nach dem Vorgänge des Herzogstraten die angesehensten Personen des Hofes und der Stadtund Viele aus dem Volke dieser Vereinigung bei. Der Eiferdes Fürsten für eine solche, ausschliesslich dem religiösenGebiete angehörige Sache gewährt einen sichern Rück-schluss auf die Beweggründe, welche ihn überhaupt bei seinerThätigkeit zu Gunsten der Religion geleitet haben. Wennwir auch in dieser Hinsicht nicht den heutigen Massstabzur Beurtheilung des Herzogs Wilhelm anlegen dürfen, sobleibt es doch gewiss auch für die damalige Zeit wahr undunbestritten, dass ein Fürst, der einer Rosenkranzbruder-schaft als Erster beitritt, um durch sein Beispiel die Unter-thanen nachzuziehen, ohne Zweifel persönlich eine tief-religiöse Gesinnung besitzen muss. Dieser frommen undreligiösen Gesinnung des Fürsten haben wir dann aber auch,wenigstens in erster Linie, alles das zuzuschreiben, was ersonst für die Kirche und die Religion in Düsseldorf gethanhat, wenngleich nicht geleugnet werden soll, dass er dabeiauch den Glanz seines Hofes und den materiellen Vortheilder Stadt im Auge hatte.
Düsseldorf, welcher die von Bonifaz IX. ausgestellten sieben Ur-kunden über die Heiligthümer, Ablässe u. s. w. und die Erneue-rungsbullen seiner Nachfolger enthält. — c) Eine Chronik des Stiftersaus dem 17. Jhdt. im Archiv von St. Lambertus, in welcher überdie Zeigung der Reliquien Folgendes sich findet: Ab anno 1654anticipato (sc. modo) in dominica die festum s. Apollinaris celebra-tur cum indulgentiis, cum processione solemni per civitatem, quandoet processio ex Ratingen deducitur. Ostensio reliquiarumfit in festo s. Jacobi et omni septennio solem-ni t er; vide „processum reliquiarum" — den unter b angeführtenCodex —, in quo vitae sanctorum per modum promulgationis con-scriptae in pergameno .... Propter insignes reliquias omni sept-ennio ostensio reliquiarum, uti Aquisgrani,et inter septem ecclesias visebatur a peregrinis a Treviris praecedendoin Capellen, inde Coloniam, inde in Grevenradt, exinde Dusseldorpiumet in Gladbach, finaliter Aquisgranum, et Tungris absolvebant pere-grinationem suam. Es wurde also jährlich am Feste des h. Jakobuseine Zeigung der Reliquien vorgenommen und alle sieben Jahrein feierlicher Weise. Letzteres geschah, wie in Aachen, und in zeitlicherVerbindung mit der Aachener Heiligthumsfahrt. Die sieben, von denPilgerschaaren aufgesuchten Orte waren Trier, Schillings-Capellenam Vorgebirge, Köln, Graefrath im Bergischen, Düsseldorf, München-Gladbach und Aachen.