44 Politische Geschichte Düsseldorfs.
besetzten Neuss und Kaiserswerth. Dagegen ergriff JohannWilhelm die Partei des Kaisers. Am 26. Dezember 1701Hess er einen für die Franzosen bestimmten Transport vonLebensmitteln und Kriegsbedarf, welcher auf 44 Schiffenrheinabwärts geführt wurde, bei Grimlinghausen durchseine Truppen abfassen und nach Düsseldorf bringen; zu-gleich rief er ein brandenburgisch-holländisches Heer zurHülfe herbei. Kaiserswerth wurde im April 1702 ein-geschlossen und nach harter Belagerung am 15. Juni zurUebergabe gezwungen. Joseph Clemens rächte sich durcheinen verheerenden Zug, den er persönlich leitete, von Beuelaus in das bergische Land. Das Vorrücken der Verbündeten,die jetzt auch durch englische Truppen verstärkt wurden,zwang die Franzosen endlich, den Niederrhein zu verlassen;Joseph Clemens selbst floh nach Frankreich. Es war derletzte Krieg, den ein rheinischer Pfalzgraf gegen einen Erz-bischof von Köln geführt hat.
Schon oben ist erwähnt, dass Johann Wilhelm infolgeder seit 1682 unternommenen neuen Rüstungen in Streitmit seinen Landständen gerathen war. Seine Theilnahmean den beiden Reichskriegen gegen Frankreich, sowie dieBedürfnisse seines Hofes, die bei dem traurigen Zustandeder kurpfälzischen Lande hauptsächlich von Jülich und Berggetragen werden mussten, zwangen ihn zu immer neuenGeldforderungen. Die Stände zeigten sich zu weiterenBewilligungen wenig geneigt und glaubten sich durch dieRecesse von 1672 und 1675 gegen die Erhebung unbewilligterAuflagen geschützt. Aber Johann Wilhelm, durchdrungenvon dem Gefühl seiner souveränen Würde und in der ab-soluten Regierungsweise Ludwigs XIV. sein Vorbild sehend,setzte sich über die Recesse hinweg, schrieb eigenmächtigSteuern aus und liess sie gewaltsam eintreiben. Als die sogewonnenen Mittel nicht zureichten, wurden Domänenveräussert, dann 1705 eine Bank gegründet, welcheSchuldscheine (das Papiergeld jener Zeit) ausgab, end-lich eine Anleihe in Holland gemacht. Die Stände wider-setzten sich diesen ohne ihre Zustimmung vorgenom-menen Finanzoperationen und verklagten den Kurfürstenbeim Kaiser; doch zog sich der Prozess, wie gewöhnlich,in die Länge und wurde erst nach Johann WilhelmsTode beendet.
Trotz dieses Verfassungsconflictes verstand JohannWilhelm sich bei seinen Unterthanen beliebt zu machen.Die Pracht seines Hofes kam doch in vieler Beziehungwieder dem Lande, namentlich der Stadt Düsseldorf, zuGute. Für letztere hat er überhaupt viel gethan. Er er-