42 Politische Geschichte Düsseldorfs.
zessin Elisabeth Amalie war, wie die erhaltenen Briefebezeugen, überaus glücklich. Aus ihr gingen 17 Kinderhervor, von denen sechs Söhne und ebensoviel Töchter denVater überlebten. Der älteste Sohn, Erbprinz JohannWilhelm, unternahm zu seiner Ausbildung 1679 eine grössereRundreise an den europäischen Fürstenhöfen. Charakte-ristisch für die Zeit ist es, dass er dabei zuerst Ludwig XIV.in St. Germain besuchte, obwohl das deutsche Reich da-mals mit Frankreich im Kriege lag und französische Truppenim Herzogthum Jülich standen. Von Frankreich ging ernach Italien, verweilte dort etwa ein Jahr und kehrte überWien nach Hause zurück. Unterdessen hatte Kaiser Leo-pold nach dem Tode seiner Gemahlin um die älteste TochterPhilipp Wilhelms, Eleonore Magdalene, geworben; imDezember 1676, wenige Monate nach Johann WilhelmsRückkehr, fand die Hochzeit statt. Drei Jahre später,im October 1679, heirathete Johann Wilhelm selbst dieStiefschwester des Kaisers, Erzherzogin Maria Anna.So war das Haus Neuburg doppelt mit der kaiser-lichen Familie verschwägert. Es mag gleich hier be-merkt werden, dass eine zweite Tochter Philipp Wilhelmsspäter Königin von Portugal, eine dritte Königin vonSpanien wurde.*)
Bei den Unterhandlungen über Johann Wilhelms Ver-mählung hatte man österreichischer Seits hervorgehoben,dass eine kaiserliche Prinzessin nur einen regierenden Fürstenheirathen könne. Philipp Wilhelm entschloss sich deswegen,seinem Sohne Jülich und Berg abzutreten. Dies that erdurch Patent vom 1. August 1679, während er für sich selbstNeuburg behielt. Johann Wilhelm übernahm die Regierungunter schwierigen Verhältnissen. Beide Herzogthümerwaren durch den eben beendeten Krieg mit Frankreich tieferschöpft. Der junge Fürst entschloss sich auf Andringender Stände im Jahre 1680, einen Theil der Truppen zu ver-abschieden; aber 1682 machte die dem Reiche von den Türkenwie von Frankreich drohende Gefahr neue Rüstungen noth-wendig. Dies führte wieder zu Streitigkeiten mit den Land-ständen, welche die von Johann Wilhelm geforderten Summennicht bewilligen wollten; doch setzte Johann Wilhelm seineAbsichten endlich durch. Dann erlosch 1685 die in Kur-pfalz regierende Linie, und Philipp Wilhelm als nächsterErbberechtigter wurde Kurfürst. Aber Ludwig XIV. bean-spruchte einen Theil der pfälzischen Länder für seine
*) Letztere ist die Heldin von Victor Hugos Drama:,Ruy Blas".
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