Druckschrift 
Geschichte der Stadt Düsseldorf : in zwölf Abhandlungen ; Festschrift zum 600jährigen Jubiläum
Entstehung
Seite
35
Einzelbild herunterladen
 

Politische Geschichte Düsseldorfs.

35

zu verhindern, dass die Truppen beider Theile brand-schatzend und verheerend die jülich-clevischen Gebietedurchzogen. Bei all dieser Noth gab Jakobe selbst durchihre prunkvolle Hofhaltung Anstoss, und bald erzählteman, dass sie mit einem jungen bergischen Edelmanne,Dietrich von Hall, in einem unerlaubten Verhältnisse steheund nur aus diesem Grunde ihren Gemahl gefangen halte.Dies benutzte Schenkern zu einem Staatsstreich. Am23. Januar 1595 traten die Stände von Jülich und Bergin Grevenbroich zusammen und verlangten sofort, dass derHerzog persönlich an den Verhandlungen theilnehme. AlsJakobe dies für unmöglich erklärte, eilte Schenkern mitdem Grafen von Dhaun und achtzig Soldaten in der Nachtvom 26. zum 27. nach Düsseldorf, besetzte das Schloss undbemächtigte sich der Person des Herzogs. Für Jakobeerhob sich Niemand; sie wurde verhaftet und von Schenkernund Sibylla beim Kaiser des Ehebruchs angeklagt. Manwollte eine Scheidung der Ehe durchsetzen, um den Herzoganderweitig verheirathen zu können. Dabei stellten sichjedoch juristische Schwierigkeiten heraus; der Prozess zogsich in die Länge. Ueber drittehalb Jahre sass Jakobe inHaft; da fand man sie eines Morgens, am 3. September 1597,todt in ihrem Bette. Einer der wenigen Zeugen, welche dieLeiche zu sehen bekamen, glaubte Spuren einer gewalt-samen Erstickung zu bemerken. Der Verdacht wurde da-durch bestärkt, dass Schenkern, ohne den Freunden derHerzogin weiteren Zutritt zu gestatten, die Verstorbene inaller Stille in der Kreuzkirche zu Düsseldorf beisetzen Hess.Zeitgenössische und spätere Geschichtschreiber haben ihndirect des Mordes beschuldigt.

Unterdessen war es einem aus Holland berufenen Arztegelungen, den Zustand des Herzogs einigermassen zu bessern,und die Räthe suchten nun sofort eine neue Gemahlin fürihren Herrn. Denn nur wenn Johann Wilhelm selbst Nach-kommenschaft erzielte, liess sich die gefürchtete protestan-tische Erbfolge abwenden. Man wählte endlich Antonetta,die Tochter des Herzogs von Lothringen. Die Hochzeit fandam 20. Juni 1599 zu Düsseldorf statt.

Die Lage des Staates blieb nach wie vor traurig. Ohnedie Neutralität des deutschen Reiches zu achten, überschrittim Herbst 1598 der spanische General Mendoza mit seinemHeere bei Wesel den Rhein und bezog in Westfalen Winter-quartiere. Die verwilderten Soldaten begingen gegen dieLandbevölkerung unerhörte Grausamkeiten. Eine Ab-theilung überfiel das Schloss Broich an der Ruhr, auf welchemWirich von Dhaun wohnte; nach kurzem Kampfe musste

3*