Politische Geschichte Düsseldorfs. 33
niederlegte und dieser im Augsburger Religionsfrieden 1555den lutherischen Reichständen Gleichberechtigung mit denAltgläubigen zugestand, hatte Herzog Wilhelm wiederfreiere Hand. Er duldete in seinen Gebieten die Priestereheund die Austheilung des Abendmahls unter beiderlei Gestaltan die Laien; seine älteren Töchter wurden von evangelischgesinnten Lehrern erzogen. In Düsseldorf konnte JohannMonheim, der bei den Altgläubigen als Ketzer galt, das1545 von Wilhelm gegründete Gymnasium leiten. Erstum das Jahr 1570 begann eine Aenderung einzutreten.Viele protestantische Niederländer waren damals, um demSchreckensregiment des Herzogs Alba zu entgehen, in diejülich-clevischen Gebiete geflüchtet; Alba fürchtete sie undbegünstigte, um nach dieser Seite gesichert zu sein, dieBildung einer spanisch-katholischen Partei unter den Räthen*)am Düsseldorfer Hofe. Diese Partei gewann allmählich beidem seit 1566 an den Folgen eines Schlaganfalls leidendenHerzog überwiegenden Einfluss, zumal da Wilhelm wünschte,seinen zweiten Sohn Johann Wilhelm durch den Papstzum Bischof von Münster erheben zu lassen. Daher erhieltensowohl Johann Wilhelm wie sein älterer Bruder Karl Fried-rich streng katholische Lehrer. Karl Friedrich, der begabterevon beiden, wurde 1571 zu seiner weiteren Ausbildung nachWien und von da nach Rom gesandt; dort aber starb erplötzlich 1575 an den Blattern. Es war ein Unglück für dasLand; denn nun ging die Thronfolge auf den geistig undkörperlich schwachen Johann Wilhelm über. Als dieser1685 die eifrig katholische, in München erzogene PrinzessinJakobe von Baden heirathete, schien die spanisch gesinnteHofpartei unter Führung des Marschalls Schenkern, desHofmeisters Ossenbroich und des Vicekanzlers Hardenrathdie Herrschaft in der Hand zu haben. Dagegen jedocherhob sich eine namentlich unter den Landständen starkvertretene evangelische Fraction, geleitet von dem GrafenWirich von Dhaun und dem Kammermeister Werner Palandvon Breidenbend. Herzog Wilhelm, dessen Kräfte immerrnehr abnahmen, schwankte haltlos zwischen den Parteienhin und her. Noch schlimmer wurde es, als 1590 bei demJungherzog die Geistesschwäche in offenen Wahnsinn über-ging, sodass man ihn in Gewahrsam setzen musste. Es istbemerkenswerth, dass er durch seine Mutter ein Urenkel derWahnsinnigen Johanna von Castilien war, und dass ausser! hm noch zwei Urenkel derselben, der Infant Don Carlosv on Spanien und der deutsche Kaiser Rudolf IL, geistes-
,.. *) Als „Räthe" bezeichnete man damals die Gesammtheifc der«ochsten Hof- und Regierungsbeamten, also nach moderner Aus-°-rucksweise das Ministerium.