Politische Geschichte Düsseldorfs.
21
Der Bezirk, in welchem das heutige Düsseldorf liegt,hiess der Keldagau. Ob derselbe bei der Reichstheilungzu Verdun im Jahre 843 an Lothar oder an Ludwig denDeutschen fiel, können wir nicht bestimmt feststellen.Sicher gehörte er seit 870 zum ostfränkischen — deutschen —Reiche. Urkundlich genannt wird er zum ersten Male904; damals ist ein Mitglied der mächtigen fränkischenFamilie der Konradiner (aus welcher König Konrad I.hervorging) Graf dieses Gaues.
Das deutsche Reich zerfiel damals in fünf grosseHerzogthümer. Der Keldagau müsste nun seiner Lagenach entweder zu Franken oder zu Lothringen gehörthaben. Die Frage lässt sich jedoch nicht entscheiden,da die Konradiner damals in beiden Ländern herzoglicheGewalt besassen. Kaiser Otto der Grosse sah sich inFolge der Aufstände von 938 und 953 veranlasst, beideHerzogthümer in eine Anzahl kleinerer Gebiete aufzu-lösen. Infolgedessen steht am Ende des 10. Jahrhundertsder Keldagau ebenso wie der nördlich angrenzende Ruhr-gau (mit Duisburg) unter den zu Aachen residirendenlothringischen Pfalzgrafen.
Der Gau umfasste hauptsächlich das zwischen Rhein,Anger und Wupper gelegene Gebiet; doch gehörte auchein Stück des linken Rheinufers, das Kirchspiel Lank,dazu. In östlicher Richtung erstreckte er sich wahr-scheinlich bis nach Elberfeld und Solingen. So weitnämlich reichte im Mittelalter der rechtsrheinische Sprengeldes Dekans von Neuss, und man nimmt an, dass diekirchlichen Dekanate ihrem Umfange nach in der Regelmit den Gauen zusammenfielen. Der bedeutendste Ortdes Keldagaues war Kaiserswerth mit dem um das Jahr700 gegründeten Stifte; ferner Gerresheim. Buk wirdschon im Jahre 799 als Pfarrdorf genannt; Himmelgeisterscheint 904 unter dem Namen Humilgis. Einen be-deutenden Theil des Gebietes nahmen königliche Domänenein, die sich an die beiden Höfe Rath und Mettmann an-schlössen. Einen zwischen Rhein, Ruhr und Dussel ge-legenen Wald schenkte Heinrich IV. im Jahre 1065 demErzbischof Adalbert von Bremen; doch hat dieser sichnicht im Besitze zu behaupten vermocht. Seinen Namenführte der Gau wohl von dem Ketel-, jetzt Kittelbache,der bei Kaiserswerth in den Rhein mündet. Die Haupt-gerichtsstätte war wohl schon in jener Zeit," wie später,auf dem Kreuzberge bei Kaiserswerth.
Die lothringischen — später rheinischen — Pfalzgrafen,unter deren Herrschaft der Keldagau nebst den benachbarten