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Geschichte der Stadt Düsseldorf : in zwölf Abhandlungen ; Festschrift zum 600jährigen Jubiläum
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Aelteste Geschichte Düsseldorfs.

ehemals leere Landstrich am Oberrhein durch den Pfahl-graben. Die Einrichtung der Landwehren ist eine urgermani-sche, wir finden sie in ihrer ältesten Form durch ganz Deutsch-land bis in den fernsten Osten vor. Diese Art von Wehr-anlagen wurde aber später von den Römern übernommen,und unter ihrer Anordnung und Leitung wurden, nachden Zeugnissen der alten Schriftsteller, 1 ) zahlreiche Land-wehren am Rheine und in Westfalen errichtet, die meistensnoch das römische Profil aufweisen, und von dem Kundigensich leicht von den weiter östlich gelegenen unterscheidenlassen. Auch waren diese Wehranlagen, ebensowenigwie der Pfahlgraben, eigentlich militärische Werke, son-dern zu denselben Zwecken bestimmt, für welche sie auchden Germanen gedient, nämlich die Gebietsgränzen zuüberwachen und vor feindlichen Ueberfällen zu schützen.Sie erfüllten auch diesen Zweck zu einer Zeit, wo dieVölker am Niederrhein nur sehr wenig mit metallischenWerkzeugen versehen waren, um das dichte Gebück zudurchbrechen, eben so vollkommen, wie der zu demselbenZweck angelegte Pfahlgraben am Oberrhein. Unser Land-kreis liegt nun ebenfalls in dem Einschluss einer solchenLandwehr, und wir werden zu prüfen haben, in wie ferneinstens auch eine Besiedelung unserer Gegend stattge-funden, und in welchem politischen Verhältnisse dieseAnsiedelungen zu dem römischen Gebiete jenseits desRheines gestanden haben. Hierbei kommt uns ein altesSchriftstück zu Hülfe, das in der neuesten Zeit sehr ver-schiedenartige Auslegungen gefunden, aber noch nioht inseiner ganzen Bedeutung hinreichend gewürdigt ist, nämlichein um die Mitte des 4. Jahrhunderts n. Chr. abgefassterAnhang eines Verzeichnisses der Provinzen des römischenReiches. 2 ) Wir geben unsere Erklärung dieser merk-würdigen Urkunde, soweit sie unsere Gegend betrifft,anspruchslos und in aller Kürze, aber gestützt auf dieErforschung der Denkmäler, die hier besonders in Betrachtkommen. 3 )

Zunächst wird uns, als auf der rechten Rheinseitegelegen, eine Anzahl römischer Gaue (civitates) genannt,

*) Tacit. annal. I, 50; II, 7. Vellej. Pat. II, 120.

2 ) Zuerst herausgeg. i. J. 1743 v. S c i p. M a f f e i, dann von T h.Mommsen ind. Abhandl. d. K. Akademie d. W. z. Berlin 1862.

s ) Die Urkunde mit den Ergänzungen lautet folgendermassen:Nomina civitatum trans Rhenum fluvium quae sunt: Usipiorum,Tubantum, Tenetrensium, Chattuariorum (Amsivariorum ?), Chasu-ariorum. Istae omnes civitates trans Rhenum in formulam Belgicaeprimae redactae. Trans castellum Montiacesenam LXXX leugastrans Rhenum Romani possederunt. Istae civitates sub Gallienoimperatore a barbaris occupatae sunt."