i8. Jahrhundert. 225
Dresden, in südbayrischen Klöstern, in Franken — Bay-reuth, Bamberg, Würzburg —, am Rhein — Brühl etc. —,in und bei Wien etc. gezeitigt. Es ist natürlich, dassdie Formen dieser Periode auch auf die Kleinkunst undsomit auch auf die Stiche dieser Zeit allenthalben inDeutschland und Oestcrreich einwirkten. Das Ornamentdes Rokoko ist unsymmetrisch, muschelartig und phan-tastisch; Blattwerk, Blumen, Palmen sind muschelartigstilisiert, das k'ahmcnwerk ist reich zerklüftet, alles istgeschweift und wellenförmig; reiche Trophäen und ein-fache Stillleben sind sehr beliebt; Kürperformen sindmöglichst üppig, die Glieder und die Figur oft wieverrenkt; Draperien werden gern angebracht, -- allesist aber trotz, manchen Uebermaasses meist leicht, flottund graziös, — ein richtiges Spiegelbild jener leicht-lebigen Zeit.
Erst der Schluss des Rokoko, der langweiligereZopi:, wird steifer, altmodischer und ernstklassisch,bis er allmählich zum kalten, nüchternen Empire an derWende vom 18. zum 19. Jahrhundert überleitet.
Eine naXionaX-engliscke Abart des Rokoko ist — von1740 1770 — der Chippendale&tü, nebst seiner zier-lichen Unterart, dem schottischen Chippendale, so be-nannt nach Thomas Chippendale, Kunst- und Möbel-tischler, Tapezierer von St. Martins Lane, London, derdiese Stilart in der Holzschnitzerei und Tapezierkunstpflegte und einbürgerte. Der Chippendalestil findet sichauf zahlreichen englischen Exlibris und zeichnet sichdurch graziöse Feinheit im Rahmenwerk der Zeichnungund im Stich durch besonders üppiges Schnörkelwerkund durch seine reichhaltige Blumen- und Pflanzen-ornamentik aus.
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