282 H. Kap., 2. Abschn. Finanzquellen und Kassenverwaltung.
Krautt seine ganze Tatkraft und kaufmännische Erfahrung aufdie Vervollkommnung der Kassenverwaltung selber und die Einheitdes Rechnungswesens richten, und wenn auch der Kampf um dieausländischen Beiträge und einige notwendige Kopfsteuern denFinanzplan noch großen Schwankungen unterwarf, so wurde dochder eigentliche Grundstock der Generalkasse, die Kontributionender Provinzen, unter ihm von einer unabänderlichen Festigkeit.Die monatlichen Beträge, welche unter Cautius besonders seit 1686an Regelmäßigkeit gewonnen hatten, erhielten seit 1691 eine sichJahr um Jahr gleichbleibende bis auf den Pfennig ausgeglicheneGleichförmigkeit, die nur durch Erhöhungen der Kontribution einerÄnderung unterworfen waren. Nur die Beiträge Preußens, dessenKriegskassen Verwaltung schon seit 1660 durch fortwährende außer-ordentliche Untersuchungen in Ordnung gehalten werden mußte,blieben ungleichmäßig und zeigten noch im letzten Jahrzehnt Unter-schiede bis zu 150 000 Talern; für Preußen allein wurde auch eineRubrik für Rückstände in der Generalrechnung, welche bis zu30 000 Talern im Jahre aufwies, geführt. Da größere Erhöhungender Kontribution von 1690—97 nicht vorkamen, so blieb sich unterdiesen Umständen die Summe der Kontributionen fast gleich,nämlich rund 1400 000 Taler jährlich und betrug etwa drei Fünftelder Gesamteinnahme'. Um die Verwaltung dieser Summen zubewältigen, beschäftigte Krautt jetzt bei der Generalkriegskasse,die inzwischen auch eine eigene Kammer in Berlin und eineKalesche zum Transport im Felde erhalten, zwei Kassierer undeinige „Commisen", die er aus seinem freilich großen Gehalt zubezahlen hatte; daneben standen ihm die Beamten des AachenerKontributionscomptoirs, vor allem die Oberkommissare Möller undOtto Wilhelm Happe zur Verfügung. Trotz dieser Steigerung istdie Zahl der Gehilfen bei der Schwierigkeit des Geldhandels injener Zeit eher klein zu nennen; denn wie schon unter dem GroßenKurfürsten, herrschte auch damals die Tendenz, gerade die tüchtigenBeamten bis zur letzten Kraft auszunützen, und als der alternde Ober-lizenteinnehmer Wilhelm Heinrich Happe die Verwaltung der Märki-schen Kriegskasse nicht mehr führen konnte, wurde auch diese 1697,und zwar bis zum Tode Happes im Jahre 1704 ohne Entgelt auf die
1 Vgl. Akten No. 80 a.