226 I- Kap., ;!. Abschn. Die Kompetenzen des Generalkommissariats.
kommissar wurde jetzt nicht mehr an den Generalfeldmarschall,sondern dieser an jenen zur Kommunikation oder Berichterstattunggewiesen, und wenn Flemming sich einmal erlaubte, die Projektedes Generalkommissars „in vielen Stücken impracticabel zu finden",so erfuhr er eine äußerst scharfe Abweisung vom Kurfürsten nachDanckelmanschem Entwurf 1 . Auch die Klagen der Offizieregegen das Generalkommissariat wegen schlechter und langsanierZahlung, deren sich Flemming annahm, wurden mit den sachlichbegründeten Hinweisen auf die außerordentlich pünktliche undüber die Verpflegungsordonnanzen hinausgehende günstige Be-zahlung der Truppen zurückgewiesen und das „unnötige Grava-minieren" des Offizierskorps ernstlich verboten 2 . Ja wenn derKurfürst nach Berlin ins Winterquartier ging, wurden die Generalean den in Cleve zurückbleibenden Generalkommissar als den ge-wiesen, der die kurfürstlichen Intentionen kenne und bei dem sieüber alles, was die Lage des Heeres beträfe, ihre Informationeneinholen sollten 8 . So war der Generalfeldmarschall bis auf diereinen Kommandoangelegenheiten überall vom Generalkommissarbeschränkt worden und auch als 1696 an die Stelle FlemmingsJohann Albrecht von Barfus trat, war die Macht des Generalfeld-marschalls durch die Zersplitterung der Armee schon ohnedies sogeschwächt, daß er einen erfolgreichen Kampf um die Machtgrenzengegen das Generalkonimissariat nicht hätte führen können 4 . Sowar jetzt zur Tatsache geworden, was sich schon 1655 bei derEinsetzung des neuen Amtes in seinen vielfachen Kompetenzenan unfertigen Ansätzen gezeigt hatte: der Generalkommissar warzu gleicher Zeit Generalstabschef, Kriegs- und Finanzminister ge-worden 5 , hatte sich der Unterordnung unter das Armeekommandonicht nur entzogen, sondern die langsam errungene Nebenordnungfaktisch zu einer übergreifenden Machtstellung ausgestaltet. Das
1 K'urf. an Flemming, Oranienburg, 3./13. Okt. und Magdeburg, 18./28. Okt.,auf ein Schreiben Flemmings vom 12./22. Okt. 1692. Die Konzepte mit zahl-reichen eigenhändigen Bemerkungen Eberhard Danckelmans. R. 24, H.H. 4, fasc. 1.
• Kurf. an Flemming, Colin, 15./25. und 17./27. Dez. 1692 (Konz. gez. D. L.Danckelman). R. 24, HH. 5, fasc. 1.
n Kurf. an Flemming, Barfus und Heiden, 27. Sept./7. Okt. 1692. Ebenda.
* Vgl. v. Schrötter, Das preuß. Offizierskorps unter dem ersten Königevon Preußen. Forsch, z. brandenb. u. preuß. Oesch. XXVI, 487 f.
1 Breysig, Die Kommissariate, 147.