Druckschrift 
2 (1915) Die Zentralverwaltung des Heeres und der Steuern
Entstehung
Seite
86
Einzelbild herunterladen
 

86 L Kap., 1. Abachn. Die Entstehung und Ausbildung der Zentralbehörde.

die Vermutung nahe, daß das Generalkommissariat zugleich mitdem Generalkommando am 8. April 1655 errichtet wurde. Jeden-falls wurde Platen in den letzten Maitagen, als die politischeLage sich durch die hoffnungslose Torheit der Polen zuspitzte,vom Kurfürsten schon mit allen wesentlichen Aufgaben des General-kommissariats betraut: er sollte als ersten Unterbeamten denKriegskommissar Tobias Rotberger 1 in Pflicht nehmen, mit ihmdie Verpflegungsordonnanzen für den Generalstab und sämtlicheTruppengattungen anfertigen, dann die Aufstellung für eine Werbungvon 4000 Reitern, 6000 Fußsoldaten, 500 Dragonern samt dernötigen Artillerie und den dazu erforderlichen Werbegeldern machen,endlich eine Einteilung versuchen, wie diese Truppen sechs Monatelang aus den Mitteln aller kurfürstlichen Länder und besondersaus Preußen unterhalten werden könnten 2 . Damit war der Um-fang der neuen Behörde in der für Brandenburg-Preußen charakteri-stischen Weise schon fest umrissen: die Heeres- und die Finanz-Verwaltung waren nach einer direkten Initiative des Fürsten indie Hand eines einzelnen Mannes gelegt und eng miteinanderverbunden.

Platen hat nun in den folgenden fünf Kriegsjahren in stetem,nahem Verkehr mit dem Kurfürsten sein Amt unter den schwierig-sten Verhältnissen geführt und die neue Behörde auf allen Punktenin ihren Anfängen begründet.

Das Generalkriegskommissariat oder, wie die einfachere und vonvornherein häufigere Bezeichnung lautete, das Generalkommissariatbestand zunächst nur aus seiner Person, dem KriegskommissarTobias Rotberger, der Kommissariatskanzlei, welche in Gemein-schaft mit der Geheimen Kriegskanzlei die schriftlichen Ar-beiten erledigte 8 , und einem Kassenbeamten der Feldkriegs-

1 Er wird einige Male auch Nothberger oder Nodberger geschrieben.

2 Am 29. Mai sandte der Kurfürst aus Freienwalde an Platen das erwähnteEdikt gegen die Werber zur Korrektur; am 31. Mai hielt Platen dort dem Kur-fürsten Vortrag über die ständischen Verhandlungen und notierte die obigenPunkte als kurfürstliche Kommissionen; eine Anzahl Blätter enthalten schondie nötigsten Berechnungen, die wohl von Platen in Gegenwart des Kurf. flüchtigaufgestellt wurden. Geh. St. K. 24, E. 5 fasc. 20 und Z. 2, fasc. 1. — AlsGeneralkommissar genannt ist PI. in den erhaltenen Akten zum ersten Male ineinem Memoriale der altmärkischen und priegnitziiischen Ritterschaft vom 9. Juli1655. R. 20 CC, fol. 143-145.

3 Von einer „zahlreich besetzten Kommissariats-Kanzlei" (Isaacsohn II,