Nr. 8. Denkschrift Knyphausens. 409
vor und lasset folgends deroselben gnädigster Resolution ausfertigen,und kann bei solcher Verfassung, wann ein jeder in seinen Schrankenbleibt, das ganze Werk Jahr aus Jahr ein in guter Ordnung traktieretund Sr. K. D. hohes Interesse allewege am besten gesuchet und be-fordert werden.
14) Was die Verpachtung derer kurfürstlichen Ämpter und Güter ineinigen Provinzien der kurfürstlichen Kammer profitieret und wie manvor derselben anstatt bares Geldes nur mit vielen weitläufigen Rechnungenu fld Papieren sich bemühet, das ist am Tage, und was man nach vor-gedachter genauer Untersuchung und darauf vornehmenden gleichmäfsigenVerpachtung^ der Domänen in denen noch übrigen Provinzien derKammer noch profitieret werden kann, das wird sieh dann mit derZeit weisen und ein Ehrliches ertragen, wie dann dardurch schon an-Jetzo ein weit Mehrers als vorhin selbst bei diesen schlechten Zeiteneinkömmt, gestalten ich meines unterthänigsten Orts nach wie vordarzu raten und mit Wahrheit sagen mufs, dafs die bishero wider dieVerpachtungen beigebrachte Vorstellungen, als ob dardurch die Unter-tanen allzu hart traktieret und mithin ruinieret würden, ganz ohneGrund sein und zwarten dahero (1°), dafs alle die praestationes, so"ie Unterthanen denen Ämbtern und Pachtleuten abstatten müssen,es sein Zinsen, Dienste oder Pachte, ein altes vor etzlichen 100 Jahrenfundiertes Werk ist und keinem Bauern im geringsten nicht ver-ftföl'sert werden darf, sondern (2 l, °) bei allen vorfallenden Verpach-tungen alle Unterthanen mit ihrem ganzen Vermögen und was siedavon zu prästieren schuldig sein inventieret und also dem Pachtmannüberliefert werden. Dannenhero (3 Ü0 ) bei einer jedesmaligen Visi-tation und befindlichen Verbesserung oder Vergeringerung eines Unter-thanen, der Pachtmann responsabel ist, auch da sich findet, dafs durchdes Pachtmanns Gewalt ein Unterthan ruinieret, denselben zu ersetzenUn d gebührend dafür büfsen mufs. Und ob (4 t0 ) wohl an deme, dafsei " Pachtmann mit schärferen Augen und Händen umb sich greifet, alse mer, der administrieret und auf der Herrschaft Gewinn und Verlusta nes ankommen läfst, und dannenhero wegen seines dabei versieren-den Interesses dem Bauern nichts nachgiebet, so ist doch die Nach-lässigkeit der Administratoren nicht allein der Herrschaft, sondernau eh selbst den Bauern schädlicher als die genaue Aufsicht der Pacht-leute, indeme der Pachtmann umb Geschenke (wie einige Admi-nistratoren) mit denen Unterthanen ihrer Dienste und Pachte halbernicht durch die Finger sehen wird, welches gewifs der meisten Bauern,die solches gewohnet gewesen, gröfseste Beschwerde und endlicheR uine ist; und kann ja den Bauren ebener Gestalt wie bei der Ad-