182 II. Buch. 1. Kap. Die Organisation der Verwaltung.
Summen unterschlagen zu haben und hatte ohne jede Umsehweife dieAmtsführung des Amtskammerpräsidenten als schlechte bezeichnet; dieKonfusion, in der sich das brandenburgische Ökonomiewesen befinde,sei bekannt, hatte er geäufsert. Canstein reichte dem Kurfürsten überdie Angelegenheit eine Klageschrift ein und Battier nahm nun wohldiejenigen Anschuldigungen, die sich auf Cansteins Ehrlichkeit bezogen,zurück, beharrte aber bei seiner Meinung von dem üblen Zustanddes Kammerwesens. Trotzdem erklärte der Kurfürst in seiner end-gültigen Entscheidung den Streit für beigelegt und wies die beidenan, sich gegenseitig ihrer Stellung gemäfs zu respektieren und „andiese. Streitigkeiten nicht mehr zu denken, als wären sie nie gewesen" \Schon im Juli 1670 aber kam es zu einem neuen Zank zwischenBattier und seinen älteren Kollegen. In einer Auseinandersetzung, diezwischen ihm und den Amtskammerräten Grote und Fehr stattfand,beschimpfte man sich aufs ärgste und warf sich gegenseitig Diebstahlund falsche Rechnungsführung vor 2 . Vollends unmöglich aber machtesich der streitlustige Mann durch einen Konflikt, in den er zur selbenZeit mit der Ritterschaft geriet. Er hatte vom märkischen Adel ins-gesamt in sehr wenig ehrerbietigen Ausdrücken gesprochen und, wiees in der wutschnaubenden Klagsehrift der Prälaten, Grafen, Herrenund Ritter hiefs, ihnen nicht allein ihre Armut vorgerückt, sondernauch ihre Ahnen beschimpft 3 . Obwohl man versicherte, die Angelegen-
1 Resolution des Kurfürsten vom 22. Jan. 1670 (s. u. Akten Nr. 70).
a Bericht Cansteins und Köppens an den Kurfürsten vom 14. Juni 1670.
3 „Es ist Ew. K. D. und sonder Zweifel durch das sich ausbreitende Ge-rüchte den meisten Einwohner des Römischen Reichs und angrenzenden Länderwissend," so beginnt das sehr pathetisch abgefafste Schriftstück, dafs Peter Battierihnen in einem böslicher Weise geführten Diskurs nicht allein ihre Armut vor-gerückt, sondern auch ihre Ahnen aufs ärgste beschimpft habe. Die Ritterschafterklärt dann, sie wollte lieber arm sein, dabei aber ein unsträfliches Gerücht be-halten, als durch unzulässige Mittel nach Reichtum trachten. „Noch viel tiefer,"heifst es dann weiter, „gehet uns zu Herzen, dafs unsere Vorfahren im Tode ge-schmähet, da sie doch nach Ehre und Ruhm jeder Zeit gestrebet und solche zu er-langen ihr Haupt und Brust mit unerschrockenem Gemüte im Kriege dargewagetoder in anderen Verrichtungen durch Verstand, Klugheit und Wissenschaft sichsonsten hervorgethan, so gar, dafs nicht allein ein bekannter teutscher Geschichts-schreiber vermeldet, dafs niemals etwas Wichtiges vorgegangen, dem nicht einMärkischer vom Adel beigewohnet, sondern auch Frembde nicht genugsam ihreTapferkeit und löbliches Verhalten entwerfen können, gestalt denn männniglich be-kannt, dafs im vorigten teutschen Kriege kein Land so viel Generalen und andereheldenmäfsige Personen, als Unser Vaterland, hervorgegeben. Alles Geblüte erreget