Die Amtskammer zu Kölln und das kurmärkische Kassenwesen (1640—51). 1 (35
höher gestellten Beamten standen — die jüngsten Geheimen Räte er-hielten 800 Thaler —; nur als eine seltene Anomalie ist es zu be-trachten, wenn ein Amtskammerbeamter, und sei es auch in derniedrigsten Stelle, in der des Schreibers, neunundzwanzig Jahre langfür 90 Thaler dienen mußte 1 ; Im Jahre 1651 erhielt auch der Schreibernoch 227 Thaler in Bar und Naturalien 2 .
Aber ein anderer Übelstand war freilich vorhanden: die geringeAnzahl des Personals. Im Jahre 1615 hatte die Amtskammer nochfünf obere und vier untere Beamte gezählt, im Jahre 1652 aber, dadoch die Schäden, die der Krieg angerichtet hatte, eine weit um-fassendere und angestrengtere Thätigkeit von der Behörde verlangten,bestand sie nominell zwar aus ebensoviel, im Grunde aber nur ausfünf Beamten, also vier weniger. Aufser dem Präsidenten fungiertennämlich wohl den Listen nach noch drei Amtskammerräte, zweiKammermeister, ein Amtskammersekretär und ein Kammerschreiber 8 ,von ihnen aber war ein Rat, Joachim Schulze, kommissarisch inPreufsen beschäftigt — schon Georg Wilhelm hatte ihn dorthin be-rufen, um die dortige Kammerverwaltung zu reformieren und FriedrichWilhelm hatte ihn in dieser Stellung bestätigt 4 —, ein zweiter Amts-
1 Nur so viel habe er aufser den Accidentiis bei den Holz- und Mastgeldernbekommen, er bitte um 200 Thlr. Besoldung und Erhöhung seiner Naturalien, da«r nichts vor sich bringen könnte und ohne seine Heirath Mangel leiden müfste,schreibt Joachim Schulze an Levin v. d. Knesebeck 18. Mai 1638.
2 Der Personaletat von Januar 1652 hatte die Naturalbeträge zum erstenmalin Bar verwandelt; da aber keinerlei Erhöhung stattfand, so giebt er auch yonden Besoldungsverhältnissen des ersten Jahrzehnts ein getreues Bild.
3 Der Neue Hofstaat vom Januar 1652 führt unter dem Titel „Amtskammer"die Amtskammerräte Joachim Schulze und Reinhard Dieter, den KammermeisterJohann Fehr und den Vicekammermeister Joachim Ernst Wernicke, einen Sekretärund einen Schreiber auf (König II S. 292 f.); dazu ist der Präsident und derKammergerichtsrat Chemnitius (Kemnitz) zu rechnen (ebenda S. 290). — Der Amts-kammerpräsident ist hier, als schon entlassen, nicht mehr verzeichnet; dagegenkommt weder der Hofrentmeister, der hier als Amtskammerrat aufgeführt ist,noch der Amtskammerrat Richard Dieter, dessen Ernennung erst im Mai 1652erfolgte (und der doch wohl auch mit dem Reinhard Dieter des Neuen Hofstaats[ebenda S. 293] identisch ist) für den Status von 1651 in Betracht.
4 Kurfürstliche Bestallungskonfirmation vom 18. Dez. 1640. — Dafs er noch1651 diese Stellung inne hatte, geht schon aus dem Etat von 1651 hervor, in dembei seinem Namen bemerkt ist, dafs er seinen Unterhalt in Preufsen bezieht. NeuerHofstaat, Jan. 1652 (König II S. 292). Überdies liegt ein Reskript vor, in demder Kurfürst ein Emeritierungsgesuch Schulzes mit dem Bemerken abschlägt, dafs