164 II. Buch. 1. Kap. Organisation der Verwaltung.
Städte 1 haben sich darüber beklagt, dafs die Amtskammer ihreKompetenzen überschreite. Aber all diese Versuche, den eigenenGeschäftsbereich zu erweitern, die man sonst als Zeichen einer ge-sunden und fortschreitenden Entwickelung der Behörde anzusehen ge-neigt wäre, können doch nicht so gedeutet werden, wenn die Amts-kammer die Sachen, die ihr schon jetzt übertragen waren und auf diees zunächst und vor allem ankam, in dem Mafse vernachlässigte, wiees geschah. Und herrschte auch in der Kofi entei bessere Ordnung imRechnungswesen, der Kassenstand war immer schlecht, weil alle Ein-nahmen verspätet oder verkürzt einliefen, der finanzielle Ertrag einernutzbaren Verwaltung aber giebt doch den sichersten Malsstab für dieBeurteilung ihrer Arbeit ab, und er war damals so niedrig wie nie zuvor S Tdie Domänenverwaltung befand sich im schlechtesten Zustand — kurz,alle Resultate dieser Verwaltung liefsen so viel zu wünschen übrig,wie durch den Krieg, dessen Folgen freilich daran zum gröfseren Teilschuld waren, durchaus nicht allein zu erklären war.
Die Ursache war zu einem Teil gewifs in der Organisation zusuchen. Doch wird durch sie nicht alles erklärt, Mängeln, wie derunklaren Verhältnisse zum Geheimen Rate, standen die im ganzenzweckmäfsigen Dienstvorschriften gegenüber, die sonst galten. Esmufsten also noch andere Mifsstände vorhanden sein. Man könnteannehmen, dafs die allgemeine Finanznot etwa die materielle und alsoauch die sociale Stellung der Kammerbeamten übel beeinflul'st hätte.Dem aber war nicht so: ihre Besoldung war nicht schlecht, die Amts-kammerräte erhielten im Jahre 1651 684, der ältere Kammermeister495 Thaler in Bar und Naturalien, Gehälter, die an sich wohl aus-reichten — in den heutigen Geldwert übertragen bedeuten sie- etwadas Dreifache 4 — und auch in richtigem Verhältnis zu denen der
1 So beschwerten sich Bürgermeister und Batmannen von Wittstock, Fürsten-walde und Lenzen einmal über die Kammerbeamten, besonders über Arnim. DieGeheimen Bäte hielten ein Verhör in der Sache, beantragten aber Verweisung andie Amtskammer, was auch geschah. Doch ward die Beschwerde nach einigen Mo-naten wiederholt. (Der Kurfürst an den Kanzler und die Geheimen Bäte, 3. Febr.,2. Juli 1647.)
2 S. oben S. 59 f.
3 „Auch glaube ich nicht, dafs bei zehn Edelleuten im ganzen Lande, ob siewohl meist arme Leute sein, sich eine solche Armut und Mangel befinde, alsjetziger Zeit in I. K. D. Kasse ist", schreibt Blumenthal an Waldeck 7. April 1652.(Abgedruckt bei Erdmannsdörffer S. 583.)
4 S. die Berechnung in dem Jahrb. f. Gesetzgeb., her. von SchmollerXVI S. 522 Anm. 3.