Dritter Abschnitt. Die Knyphausensche Eeorganisation (1684—97). 145
Dafs die Anklage, die man gegen seine Verwaltung der Hofstaats-kasse gerichtet hatte, unbegründet war, wies Kraut sehr bald so über-zeugend nach 1 , dafs auch Wartenberg daran nicht mehr festhielt 2 .
Auch die Untersuchung, die über den Zustand der drei Haupt-kassen angestellt wurde, ergab nur bei der Schatulle einige Nachlässig-keiten — es war eine ganze Reihe rückständiger Rechnungen aufge-laufen : Danckelman hatte auch durch vielfache Mahnungen und mehr-malige Einsetzung von Prüfungskommissionen den offenbar nicht geeig-neten Verwalter dieser Kasse zu pünktlicherer Geschäftsführung anhaltenkönnen 3 . Bei der Hofrentei aber und der Hofstaatskasse fand sichschlechthin nichts Anstöfsiges. Bei der Hofrentei waren nur einigeformale Mängel konstatiert, die durchaus nicht anderer Natur waren 4 ,als diejenigen, die unter der Knyphausenschen Verwaltung bei Revi-sionen der Hauptkassen nicht selten gerügt waren 5 . Die Revision derHofstaatskasse, die Matthias, dem ehemals zu Gunsten von Krautzurückgesetzten Anwärter auf die llofrentmeisterstelle, übertragenworden war, also sicherlich so unnachsichtig als möglich geführtwurde, ergab vollends nichts. Das einzige Resultat der Untersuchung,dafs die Schatullrechnungen einige Jahre durch die Nachlässigkeit ihresVerwalters in Rückstand geblieben waren, bewies noch nicht, dafs hier^tatsächliche Verluste entstanden waren. Und wenn gerade bei dieserallein noch ziemlich unabhängigen Kasse sich Mifsstände fanden, sowar dies eher ein Beweis für die Notwendigkeit der centralisierendenReform Knyphausens, als ein Resultat seiner üblen Verwaltung.
Wenn von Matthias in dem Berichte, den er dem Kurfürsten überdie Hofstaatskasse abstattete, die Schulden, die sich, wie von jeher,so auch jetzt bei der Hofstaatskasse fanden, ihrem Leiter zum Vor-
prilsident seines imterthänigsten Orts auch ohne Gefahr und Verantwortung bleiben"könne. Denkschrift vom 13. Febr. 1689, Alinea 12 (s. u. Akten Nr. 8). Und auchdie Hofkammer betonte 1698, dafs sie keinerlei Dispositionen über eine Kasse ge-habt habe.
1 Kraut an den Kurfürsten 26. März 1698.
2 Erlafs des Königs an Barfufs, Wartenberg u. s. w. 6. Juli 1705 (im Aus-zuge abgedruckt Staats- und socialwiss. Forsch. VIII 4 S. 116).
3 Art. 173 des Peitzer Protokolls vom 11. bis 12. Jan. 1702 (s. u. Akten Nr. 56).
4 Erinnerungen über die Ilofrenteirechnungcn von Trin. 1696 bis Luciae 1697,angezeichnete Denkschrift 0. D. (s. u. Akten Nr. 50).
B Ungezeichnete Denkschrift über die IIofstaatskassen-Rcchnungen von Luciae1687—89, 0. D. Ungezeichnete Denkschrift über die Forsteinnahmen von 1695/96,°- U- (s. u. Akten Nr. 85 und Nr. 44).
u rt. n. Alrtenst. 2. 6. d. Kurf. Friedr. Willi. N. F. 1. 10