124 !• Buch. 2. Kap. Centralkassen und Generaletats.
Dieser Mann 1 war auf dem Gebiete des Kassenwesens und derDomänenverwaltung, wie sich bald herausstellen sollte, die ersteKapazität unter allen Beamten dieser Verwaltung. Und wenn es auchum seine Treue und Ehrlichkeit, wie sich im Danckelmanschen Prozefsspäter herausgestellt hat, nicht allzuwohl bestellt war — er hat seineHerkunft aus dem moralischen Sumpf der Verwaltung eines Krummstab-landes nie verleugnen können —, so suchte er doch nur hier und dasich selbst zu bereichern, den ihm untergebenen Beamten gegenüberwar er um so zuverlässiger. Da er dem brandenburgischen Staatunzweifelhaft Hunderttausende an Mehreinnahmen verschafft hat, sowird man ihm die Veruntreuung der wenigen tausend Thaler, die ervielleicht in seine Taschen fliefsen liel's, nicht allzu hart anrechnenkönnen, denn die Zeit, in der vom Beamten zuerst unbedingte Integritätverlangt wurde, war diesem Staat noch nicht gekommen.
Seine Befähigung hatte Knyphausen mit dem Scharfblick, der dengrofsen Organisator vor allem ausmacht, früh erkannt. Schon bei Be-gründung der Hofkammer hatte er ihn aus der Provinz an die Central-stelle ziehen wollen; er hatte dem Kurfürsten vorgeschlagen, ihn zurÜbernahme der aufserordentlichen Domänenrevisionen und für die Be-arbeitung der Rechnungssachen als Hülfsarbeiter mit dem Titel einesAmtskammerrates zu berufen. Damals war es zwar dazu noch nichtgekommen, aber Kraut war doch schon vielfach zu Domänenrevisionen
stallung ausgefertigt war, er habe gehurt, es solle mit Stille eine Veränderung ge-troffen werden; er befürchte, dafs dabei ihm Präjudicierliches vorgenommen werdenkönne. Kr erinnert deshalb an seine Designation zum Hofrentraeister und bittetihn nicht zu übergehen. Darauf ward ihm zur Antwort, die Veränderung bei derHofrentei sei einesteils deswegen eingetreten, weil der Kurfürst seinen „GeheimenEat dem von Stille wegen seiner vieljährigen treuen Dienste Dero Erkenntlichkeitdurch ferneres Avancement verspüren lassen" wolle, andrerseits, weil „Dero GeheimerKammerrat und Oberrentmeister Kraut in allen Dero Domanialsachen eine sehrgute und bei Dero Hofrentei als einem sehr weitläufigen Werk erforderte Wissen-schaft erlanget, welche der Supplikant, an dessen Dexterität und unterthänigenDiensten Sie sonst ein gnädiges Vergnügen gehabt, bei seinem bisherigen vielfältigenanderwärtigen Okkupationen wohl nicht erwerben können." Zuletzt wird dem Ab-gewiesenen versichert, dafs seine Bestallung in vigore bleibe und kein Präjudizerleide. Er soll in specie das Zollwesen mit Zuziehung der Amtskammer und desOberrentmeisters respizieren. (Job. Th. Matthias an den Kurfürsten 5. Juni, dieseran jenen 13. Juni 1696, letzteres Konzept von Eberh. Danckelman gezeichnet.)
1 Die Quittung, die ihm über die Jahresrechnungen der MagdeburgischenLandrentei vom Trin. 1680 bis Trin. 1696 erteilt worden ist, liegt vor. (Vom24. Aug. 1697).