Zweiter Abschnitt. Die Anfänge der Geheimen Hofkammer (1684—97). 53
anderweitige Entlastung in den Stand gesetzt, den Hofkammer-geschäften seine volle Arbeitskraft zu widmen. Er hatte zuerst auchdas Präsidium in der märkischen Amtskammer geführt, 1692 aberwurde für diese ein besonderer Vizekammerpräsident bestellt 1 . Dengröfsten Zuwachs an Talent und Leistungsfähigkeit erhielt dasKollegium dadurch, dafs an Stelle Stilles sein Nachfolger als Kassen-leiter der Kammerverwaltung, Christian Friedrich Kraut, in die Hof-kammer berufen wurde.
Die Verwaltung Knyphausens, die also rüstig auf dem einmaleingeschlagenen Wege fortschritt, hat zu Beginn des Jahres 1698 in-folge des Sturzes von Eberhard Danckelman ein jähes Ende erlitten,und manche Mafsnahme zur weiteren Ausgestaltung seiner Schöpfungmag dadurch auf lange Zeit hinausgeschoben worden sein; aber siehätten nur Einzelheiten hinzufügen können, in allem Wesentlichen hatder geniale Mann seinen Nachfolgern in der von ihm entworfenen unddurchgeführten Organisation der neuen Centralbehörde ein vollendetesWerk hinterlassen, das denn auch nicht von ephemerer Dauer gewesenist. Das Generalfinanzdirektorium von 1713 war nichts anderes als dieetwas erweiterte Hofkammer, aus der es hervorgegangen, und jeneswiederum ist recht eigentlich als das Fundament des grofsen General-direktoriums anzusehen. Denn das Generalkriegskommissariat, ausdessen Verschmelzung mit dem Generalfinanzdirektorium es entstandenist, hatte sich durchaus nach der Analogie und dem Muster der Ge-heimen Hofkammer entwickelt. So wird man nicht umhin können,das Kollegium, das das ganze Jahrhundert hindurch an der Spitze derinneren Staatsverwaltung gestanden hat, als eine Tochterbehörde derHofkammer von 1689 anzusehen. Und so mannigfaltige Modifizierungenund Verbesserungen auch die Knyphausensche Schöpfung vor und nach1723 erlebt hat, ihre Grundzüge sind geblieben: die kollegiale Ver-fassung und die Unabhängigkeit der obersten Fachleitung dieses Ver-waltungszweiges von einer höheren Behörde.
Der kollegialische Geschäftsgang hatte auch schon vor 1689 imbrandenburgisehen Behördenorganismus überwogen, aber Knyphausenhat ihr doch an dieser einen besonders wichtigen Stelle erst zurGeltung verholfen und damit entscheidend auf die spätere glücklicheEntwicklung des preufsischen Beamtentums eingewirkt, die ohne das
Der Kurfürst an die Amtskammer 27. April 1692.