Erster Abschnitt. Die Staatskammerräte und das Provisorium (1651—59). 17
gleich, dafs die Finanz Verwaltung andere Forderungen stellte; hierbedurfte es eines Fachmannes von besonderer technischer Vorbildungoder zum wenigsten von längerer Dienstzeit in diesem Verwaltungs-zweig. Später, als man auf das System der Zeit vor 1652 zurück-greifen und wiederum beliebige Geheime Räte mit der Leitung desKammerwesens kommissarisch beauftragen wollte, haben die Beteiligten— und unter ihnen einer der tüchtigsten Beamten Friedrich Wilhelms —die Unzweckmäfsigkeit dieses Geschäftsganges vollkommen eingesehen.Und dabei handelte es sich damals um die Überweisung des Ressortsauf Jahre hinaus, während in dem ersten Jahrzehnt nach 1640 indiesem wie in allen anderen Zweigen ständig mehrere Geheime Räteohne irgend welche feste Sachteilung an den Referaten partizipierten.Dieser Zustand, bei dem der Fiktion nach der Kurfürst als dieeinzige Centralstelle figurierte, in Wahrheit eine Anzahl sich stetsablösender, für jedes Reskript einzeln bestimmter Geheimer Räteohne technische Erfahrung und ohne die Gelegenheit, sich eine solchezu verschaffen, mufste sich als unhaltbar erweisen, sobald an dieKammerverwaltung höhere Ansprüche gestellt wurden. Denn es istunnötig, zu sagen, dafs an ein wirksames Eingreifen vonseiten dieserWanderleitung nicht zu denken war. Jede materielle Reform mufstemit einer Änderung der Organisation beginnen.
Dem preufsischen Staat sind zu allen Zeiten von deutschen Nicht-preufsen grofse Dienste geleistet worden. Und wenn auch das Branden-burg des siebzehnten Jahrhunderts auf die guten Köpfe noch nichtdie Anziehungskraft ausüben konnte, wie der Glanz späterer Epochen,so hat ihm doch das staatlose Wesen, der abenteuernde Wandertriebder Beamten und Offiziere dieses Zeitalters und nicht zuletzt die vor-urteilsfreie Art Friedrich Wilhelms eine grofse Zahll fähiger Männerzugeführt. Der erste unter ihnen an staatsmänniseher Begabung undpersönlicher Bedeutung ist der Graf Waldeck. Ein regierender Herr 1 ,dem sein Ländchen so wenig einbrachte, dafs man ihm eine Reichs-hofratsstelle angeboten hatte, ein Mann voll Thatendrangs und über-schäumender Lebenslust, war er mit Freuden dem Rufe des Kurfürstengefolgt, der ihm in dem Feldzuge gegen Jülich-Berg, der 1651 ge-
1 S. Erdmannsdörffer, Graf Georg Friedrich von Waldeck (1869) S. 9 ff.
Utk. u. AMenst. z. Q. d. Kurf. Friedr. Willi. N. F. I. 2