Druckschrift 
Die theologische Fakultät der Universität Berlin in Vergangenheit und Gegenwart
Entstehung
Seite
10
Einzelbild herunterladen
 

10

Schleiermacher redigierter, an das Ministerium Altenstein ge-richteter Protest von elf Geistlichen Berlins am bestimmtestenAusdruck. Wer aber zur Annahme der empfohlenen Agendesich verstand, war persona grata. Man spottete, sonst seienOrden verteilt propter acta, jetzt propter agenda.HöfischeSchriftsteller wie Augusti, Ammon, Marheineke verteidigtendas liecht des Königs nach seiner oberbischöflichen, landes-herrlichen Gewalt. Ihnen trat Schleiermacher unter demNamen Paeificus Sincerus mit niederschmetternden Gründenentgegen. In der SchriftUeber das liturgische Recht desLandesherrn führte er aus, dass ein solches Recht ur-sprünglich aus der Gemeinde stamme und dass der Landes-herr, wenn er es ausübe, den Weg eines freien Einvernehmensund billiger Mitwirkung von seiten der Kirche beschreitenmüsse (Hase). Infolge der Opposition wurde die Agende vonKommissionen revidiert und unter Berücksichtigung mehrfacherWünsche wesentlich verbessert.Als Schleiermacher 1830das modificierte Werk annahm, schien aller Widerstand ge-brochen und nun wurde es durch die Konsistorien im kir-chengesetzlichen Wege .eingeführt.

Zur Charakteristik des Einflusses, welchen insbesondereSchleiermacher auf weite Kreise gew'ann, seien noch einzelnenamhafte Theologen genannt, die zu ihm in persönliche Be-ziehung traten, zu seinen Füssen sassen, zum Teil mit ihmzusammen wirkten und den Stempel seines Geistes mehroder weniger tragen.

Da ist der Kommentator des Evangelisten Johannes undhervorragende Vertreter der sogen. Vermittlungstheologie,der irenisch gesinnte, wissenschaftlich wie praktisch gleichthätige Lücke, der vielen ein Führer zum Glauben wurde.Vor seiner Berufung an die 1818 neugegründete UniversitätBonn, von wo er später nach Göttingen ging, war er andert-halb Jahre Privatdozent neben Schleiermacher und de Wette,mit denen er sich bald zur Herausgabe einertheologischenZeitschrift verband. Wie er es von jenem gelernt hatte,die Theologie mit der Kirche in die engste Beziehung zusetzen, so waren die Interessen beider innig in ihm ver-schmolzen. Aeussere und innere Mission (der Name derletztem hat ihn zum Urheber), Gustav-Adolf-Verein, Kirchen-tag u. a. m. waren ihm ein steter Gegenstand der Beachtungund Teilnahme Schleiermacher richtete an ihn die be-rühmten Sendschreiben über seine Glaubenslehre, währender in den von ihm mitbegründetenStudien und Kritikendie trefflichenErinnerungen an Schleiermacher schrieb.Sein Nachfolger in Bonn wurde Bleek, der gewissenhafteHerausgeber vomHebräerbrief, welcher Schleiermacherdas meiste verdankt, ein gründlich forschender Exeget und