1. Die Gründung.
Von allen deutschen Hochschulen ist die Universität inder Reichshauptstadt Berlin am stärksten besucht. Aus garkleinen Anfängen hat sie sich zu ihrer jetzigen Blüte ent-wickelt. Ein wesentliches Verdienst um ihre Gründung ge-bührt Schleier mache r, dem Erneuerer der deutschenTheologie. Schön während seiner sechsjährigen Wirksamkeitals Prediger an der Berliner Charite war der Verfasser der„Reden über die Religion“ und der „Monologe“, wie Baur inseinem „Pfärr-Haus“ sagt, „der Mittelpunkt, um den sichedelste Menschen, nicht bloss nehmend, sondern auch gebend,in freiester Weise bewegten.“ Bevor er dann im Herbst 1807nach, dreijähriger Dozententhätigkeit mit schwerem HerzenHalle, dessen Universität vom korsischen Eroberer aufgelöstwar, verliess, und sich Berlin wieder zuwandte, schrieb er:„Mehr als je scheint mir der Einflus einer Universität jetztwichtig. Wir müssen eine Saat säen, die vielleicht erst spätaufgehen wird.“ Nach Preussens Hauptstadt zurückgekehrt,hielt er im Saale der Akademie der-Wissenschaften, wo auchder grosse Philologe Wolf und der berühmte Philosoph Fichteihr Katheder aufgeschlagen hatten, öffentliche philosophischeund theologische Vorlesungen, bis ihm, wie er Twesten spä-ter selbst erzählte, der König Friedrich Wilhelm III. „ineinem eignen Handbillet“ die Pfarrstelle an der Dreifaltig-keitskirche im Jahre 1808 übertrug. Gleichzeitig veröffent-lichte er „gelegentliche Gedanken über Universitäten im deut-schen Sinn.“
Durch diese Denkschrift, welche mit glänzenden Wortendie Universitäten als die Bildungsstätten der Menschheitfeierte und energisch für die Gründung einer Hochschule inBerlin als eines Hauptmittels zur Wiedererweckung des na-tionalen sittlichen Geistes eintrat, gewann er grossen Einflussauf die Förderung des mit ihrer Herausgabe beabsichtigtenZweckes. Das Palais des Prinzen Heinrich,' welches* nochin letzter Stunde vor dem drohenden Schicksal, zu einerBierbrauerei degradiert zu werden, bewahrt worden war,wurde von der Regierung zur Heimstätte für die zukünftigeUniversität bestimmt, nachdem Schleiermacher, Wolf, Fichte
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