Druckschrift 
Die theologische Fakultät der Universität Berlin in Vergangenheit und Gegenwart
Entstehung
Seite
22
Einzelbild herunterladen
 

22

der Apostel schrieb, aber neben seinem Kollegen Paul Schmidt,dem Herausgeber der ein freies Kirchentum vertretendenProtestantischen Kirchenzeitung, als Redakteur der Neuenevangelischen Kirchenzeitung, dem Organ der positiven Union,besonders bekannt geworden ist. Nach noch nicht zweiJahren folgte ihm der Biograph des Märtyrers Justin undJulians des Abtrünnigen, Karl S emisch, welcher als Kir-chenhistoriker und Konsistorialrat 1866 Niedners Nachfolgergeworden war. Als gefürchteter Vorsitzender der Prü-fungskommission für die Kandidaten steht er noch bei man-chem intrüber Erinnerung. Doch de mortuis nil nisibene. Bald nach ihm starb nach nahezu fünfzigjährigerWirksamkeit der ausserordentliche Professor und langjährigeHerausgeber desEvangelischen Kalenders, Ferdinand P i-per, ein verdienter Archäologe und Direktor des von ihmbegründeten, von Friedrich Wilhelm IV. demRomantikerauf dem TJu-on der Cäsaren lebhaft protegierten christlich-archäologischen Museums. Vor wenig mehr denn Jahres-frist wurde zu den Todten entboten der Nachfolger Hengsten-bergs, August Dillmann, ein hervorragender alttestament-licher Theologe und Orientalist von kritischer vermittelnderRichtung, welcher gediegene Kommentare über mehrere alt-testamentliche Bücher lieferte, auch eine Grammatik und einLexikon der äthiopischen Sprache schrieb.

8. Die Gegenwart.

Durch hervorragende Lehrer ist die theologische Wissen-schaft in der Fakultät zur Zeit vertreten. Genannt seienauf dem Gebiete der alttestameutliclien Theologie nebenKleinert, dem Verfasser mehrerer Kommentare in LangesBibelwerk und Dillmanns Nachfolger Bät ligen, der u. a.Untersuchungen über die Psalmen schrieb, Hermann Strack,der Mitherausgeber des kurzgefassten Kommentars zu denSchriften des Alten und Neuen Testaments, und Gunkel,der vor kurzem aus Halle berufen ist und zuletzt überSchöpfung und Chaos schrieb. Auf neutestamentlichemGebiete sind zu nennen Weizsäckers Schüler, von Soden,welcher mehrere Briefe in HoltzmannsHandkommentarherausgab, Siegfried Lommatzsch, ein Verwandter Schleier-machers, Verfasser vonSchleiermachers Lehre vom Wunderund vom Uebernatürlichen, sowie vonLuthers Lehre vomethisch-religiösen Standpunkt aus. Insbesondere aber ver-dient Erwähnung Bernhard W ei s s, der Präsident des Cen-tralausschusses für innere Mission, welcher an Meyers be-