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Verlauf zu wecken sucht, wenn sie uns zumal die großen Perioden der Weltgeschichte sowie der einzelnen Nationen nach ihrer verhältnismäßigen Dauer deutlich macht.Fassen wir z. B. für die neuere Weltgeschichte ins Auge, daß es nach den Stürmen der Völ-kerwanderung eine Hauptaufgabe des Mittelalters war, sich die geistige Erbschaft der al-ten Welt anzueignen, daß sich dann die europäischen Nationen durch wichtige neue Erfin-dungen und Entdeckungen neue Culturzustände schufen; daß damit die Reformation ein-geleitet wurde, und daß die eigentlichen Reformationskämpfe, mit größeren und kleinerenFriedenspausen, etwa anderthalb Jahrhunderte fortdauerten: so wird man schon hiernachschließen dürfen, daß auch die vor einem halben Jahrhunderte begonnene Periode derpolitisch-socialen Reform und Revolution, die sich auf einen eben so großen oder größeren Völkerkreiserstreckt, noch lange nicht abgelaufen ist. Darum wird man sich solcher chronologischenVergleichung mit der banalen Versicherung, daß der Abgrund der Revolution für immergeschlossen sei, nicht so leicht absinden lassen, um auf dem Standpunkte eines kläglichenStatusquo träge und hoffnungslos stehen zu bleiben. W. Schulz.
Zeitschriften, Zeitungen.— Zeitschriften sind solche Schriften, welchein regelmäßiger Aufeinanderfolge erscheinen und fortgesetzte Nachrichten über neue Er-scheinungen geben. Zeitungen nennt man solche Zeitschriften, welche in einzelnenBlättern oder Bogen ausgegeben werden, Tageblätter, Wochenblätter u. s. w. Derfrühere und gewöhnlichere Inhalt der Zeitungen vorzüglich war der politisch-statistischeoder Mittheilungen über die Staats- und Regierungsverhältnisse in Verbindung mitallgemein interessanten Neuigkeiten aller Art. Doch sind nicht blos immer mehr Zeit-schriften, sondern in neuerer Zeit vorzüglich auch Zeitungen für die verschiedenstenVerhältnisse und Zweige des Lebens und Wissens entstanden, Literatur-, Militär-, Kir-chen-, Schul-, medicinische und andere Zeitungen.
Gewisse regelmäßige Mittheilungen wichtiger Tagesbegebenheiten kannten natürlichschon die Völker des Alterthums, und am Meisten ausgebildete besaßen die Römer seitdem Eonsulate des Cäsar in ihren not» cliurns (woher das Wort ckisrio), eine Art Jntel-ligenzblatt und Zeitung, worüber Zell inseinen Ferienschriften interessante Mit-theilungen gemacht hak. Doch vertraten im ganzen Alterthum und vor Erfindung derBuchdruckerei und der Posten mündliche Mittheilungen und Versammlungen unsere späte-ren Zeitungsmittheilungen. Die Zeitungen traten sogar erst seit der französischen Revo-lution in weit größerer Ausdehnung an die Stelle mündlichen Austausches über die politi-schen und Leitverhältnisse. Jedenfalls verdanken die eigentlichen heutigen Zeitungen ihreEntstehung und Bedeutung den beiden großen Erfindungen der Buchdruckerkunst und derPost. Die ersten Zeitungen waren noch mehr fliegende Blätter oder Gelegenheitsblätter,die zuerst in Form des Briefstils zum Vorschein kamen; so namentlich in Augsburg undWien 1524, in Ravensburg 1528, in Dillingen 1569, in Naumburg 1571. SeitAnfang des 17. Jahrhunderts hatte man in Deutschland fortgesetzte Neuigkeitsblätter,seit 1615 namentlich das Frankfurter Journal, seit 1618 den Fuldaer Post-reuter. Freilich nennt man gewöhnlich die Venetianer als Erfinder der Zeitungen,welche gegen Anfang des 16. Jahrhunderts, von 1511 an, in ihrem Kriege mit denTürken regelmäßige Berichte austheilen ließen. Doch fehlte diesen Kotirie «critte nochder Druck und die Post. Jndeß nimmt man an, daß die Münze Auret», welche für einBlatt dieser Notizen gezahlt wurde, den Namen ga-ets, gnrette für die Zeitungen veran-laßt habe. Fast gleichzeitig mit den Deutschen hatten die Franzosen Zeitungen, von1623 namentlich die IXloiivelles »rdinsires, woraus 1631 die Osnette cke Vrsncewurde. Doch große politische Bedeutung gewannen erst die englischen Zeitungennach der englischen Revolution von 1688 und die von Frankreich seit der französi-schen Revolution 1789. Von da an wurden in allen freien europäischen Staaten so wiein allen englischen Colonieen und in allen nord- und südamerikanischen Staaten seit ihrerpolitischen Befreiung die Zeitungen täglich zahlreicher, umfangsreicher und wichtiger*).
*) S. über die Geschichte der Zeitungen: I. v. Schwarzkopf, Ueber Zeitungen;ein Beitrag zur Staatswissenschaft. Frankfurt, 1795.