Druckschrift 
12 (1848) [Schl - Zwe]
Entstehung
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Schlözer (August Ludwig von). In der Reihe ausgezeichneter Männer,die sich gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts in Deutschland erhoben, die über denbefruchtenden Blutstrom der französischen Revolution hinüber der deutschen Kunst undWissenschaft eine Brücke schlugen und deren nachhaltige Wirksamkeit sichtlich in unsereGegenwart herübergreift, war A. L. Schlözer einer der Ersten. In Ansichten,Meinungen und Vorurtheilen mit dem Jahrhunderte, das ihn geboren werden und reifensah, vielfach verwachsen, half er doch in Geschichte, Statistik und Politik neue Bahnenbrechen. Und er war mehr noch als ein schöpferischer Geist, er war auch zugleich ein fester,scharf geprägter Charakter, der es dem deutschen Professor möglich machte, von seinemLehrstuhle aus, die Feder in der Hand, die immer dampfende Pfeife im Munde, sich inDeutschland eine politische Macht zu schaffen, als die jetzt endlich überwundene Däm-merung eines freieren und frischeren Lebens kaum erst begonnen hatte.

Schlözer, geboren am 5. Juli 1735 zu Jaggstadt, einem Dorfe in Hohenlohe-Kirchberg, ist der einzige Sohn eines einfachen ehrlichen Dorfpfarrers, der außer ihm nochfür drei Töchter zu sorgen hakte. Der Ehrgeiz seiner Familie war auf nichts Höheres ge-richtet, als den Sohn dem Vater folgen zu lassen, und alle Verhältnisse und Schicksaleseiner ersten Jugendzeit schienen ihm keinen weiteren Wirkungskreis anzukündigen. Erverlor schon in seinem 5. Jahre seinen Vater, der ihm nur ein geringes Erbtheil hinterließ.Auf den Stadtschulen zu Langenburg, dann (1745) zu Werthheim verwendete er einenTheil seiner Freistunden auf die Lectüre der Bibel und auf das Studium der Classtker, dieer mitunter in schlechten Ausgaben im Mondschein las und so den Grund zu frühzeitigerKurzsichtigkeit legte. Sein Großvater von mütterlicher Seite, Magister Pfarrer Hai -g old, unterstützte ihn damals nicht blos ökonomisch, sondern erkannte auch die großenGaben des Knaben und mochte in diesem, da er ihm seine künftige Berühmtheit weissagte,den kräftig ringenden Ehrgeiz wecken helfen, der ihn nach höheren Zielen wies. Freilichhatte der Magister damals nur die raschen Fortschritte Schlözer's in der Latinilät sowie den künftigen Theologen vor Augen. Erst 16 Jahre alt bezog Schlözer die Uni-versität Wittenberg, wo er eine theologisch-scholastische Dissertation Ue vitn llei schrieb,sich jedoch hauptsächlich mit philosophischen und humanistischen Vorbereitungsstutienbeschäftigte. Im Jahre 1754 kam er nach dem ihm bald sehr lieb gewordenen Göt-tingm, hörte namentlich Mosheim's Vorlesungen in den eigentlich theologischen Wissen-schaften, und den hochangesehenen Michaelis über Exegese und mosaisches Recht.Schon in Wittenberg war bei ihm eine lebhafte Reiselust erwacht, deren Befriedigung ermit seinen theologischen Absichten in Verbindung zu bringen suchte. Ihm schwebte da-mals der Gedanke vor, sich nach Malabar zu begeben, wohin gerade mehrere protestantischeMissionen abgegangen waren oder vorbereitet wurden. Ab.r durch Michaelis daraufhingewiesen wie viel noch durch längeren Aufenthalt und durch Autopsie in Palästinaund Syrien für die Kennkniß der heiligen Schriften gewonnen werden könne, richtete sichseine Wanderlust fortan auf diese Theile des Morgenlandes. Ein Zusammenfluß vonUmständen und die Ueberzeugung, daß er sich für die Ausführung seines Plans noch mehr-seitig vorzubereiten habe, bestimmten ihn indessen, im Jahr 1755 zunächst als Haus-lehrer nach Schweden zu gehen, wo er sich theils in Upsala, theils in Stockholm bis1759 aufhielt und in letzterer Stadt, in dem Hause des ihm freundlich gewogenen Ban-kier Seele, auch mit kaufmännischer Correspondenz und Buchhalterei sich beschäftigte.

In Wittenberg hatte Schlözer seine noch dürftigen politischen Studien milderLectüre einer Zeitung und eines genealogischen Reichs - und Staatshandbuchs begonnen,worin es ihm noch wichtig genug erschien, alle Todesfälle und Geburten hoher Häupter

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