862 AZohlthatigkritsanstaltev.
einzelnen untergeordneten Fallen kann doch auch durch vernünftige Wohlthätigkeitsanstal-ten Hilfe geleistet werden. Die hierzu dienenden Einrichtungen sind aber: Werkkäu-ser; Jndustriemagazine und Wagenbestellungen auf öff.-ntliche Kosten.
— Die ersten bestehen in geräumigen, mit Arbeitsgeräthe und Rohstoffen ausgerüstetenGebäuden, in welchen unbeschäftigte Gewerbende sich einsinden und Beschäftigung er-halten können. Die Jndustriemagazine sind offene Kaufläden, welche von einzelnenArbeitern Waaren zum Verkaufe annehmen und denselben entweder einen Vorschuß dar-aus leisten, jedenfalls ihnen den Erlös zustellen. Warenbestellungen endlich können :entweder gemacht werden in der Absicht eines Wiederverkaufes, zu welchem etwa demVerfertiger selbst die Gelegenheit fehlen würde, vielleicht auch auf die Gefahr eines Ver-luste« hin, oder aber zum eigenen, jedoch nicht entfernteren Gebrauche der bestellendenAnstalt selbst. Es bedaif nun keiner Ausführung, daß diese verschiedenen Vorkehrungennur in bestimmten einzelnen Fällen überhaupt anwendbar sind und daß sie auch dann nurin einem kleinen Kreise wirken können. So ist für das vorliegende Bedürfniß einer Hilfeein freiwilliges Werkhaus nur dann von Bedeutung, wenn es namhafte Mittel zum An-käufe der in seinen Werkstätten verfertigten Waaren und eine sichere Gelegenheit zur Ver-werthung derselben besitzt; eine Voraussetzung, welche eben nicht häufig eintreten möchte.DieJndustriemagazine dagegen find allerdings von beständiger Wirksamkeit; allein theilsebenfalls nur im Kleinen, theils nur für gewisse Gattungen von Waaren. Sie sindhauptsächlich nur eine Wohlthat für Dürftige aus den höheren Ständen, namentlichfür Frauen, welche ihrer Hände Arbeit nicht wohl unter eigenem Namen verkaufen kön-nen; ferner für Gewerbende, welche ganz unbekannt sind und von den Absatzwegen ent-fernt wohnen. Der unmittelbare Ankauf von Waaren endlich gewahrt zwar eine un-mittelbare Hilfe; allein es ist einleuchtend, daß ein Verfahren dieser Art, namentlich alsregelmäßige Anstalt, nur unter ganz besonderen Umständen stattfinden kann, und daß das-selbe sogar der gewichtigen Einwendung blossteht, einem an sich nicht haltbaren Gewerks- fzweige durch künstliche Unterstützung ein sieches Leben zu erhalten und ihn dadurch zu einer ibleibenden Verlegenheit zu macken. Das Gesammtergebniß ist somit, daß durch Wohl- ,thätigkeitsanstallen im engern Sinne zur Erhaltung des Werthes und Absatzes einer Ar-beit nur selten und nur in untergeordnetem Maße Etwas geschehen kann.
2) Vielleicht etwas günstiger stellen sich die Verhältnisse dann, wenn es sich davonhandelt, eine neue Art von lohnender Arbeit an die Stelle einer aus irgendeinem Grunde werthlos und ungesucht gewordenen zu setzen. Allerdings wird auch hierdie Hauptsache durch große staatswirthschaftliche Maßregeln geschehen müssen, wenn essich von einer weitverbreiteten dauernden Ursache der Arbeitslosigkeit handelt. Für zahl-reiche Mengen von brodlosen Arbeitern kann nur durch die Einführung neuer Gewerbe >oder Benutzungen des Bodens, durch Gründung von Colonieen innerhalb oder außerhalbdes Landes, endlich durch große öffentliche Bauten gesorgt werden. Aber es giebt auchmanche Fälle, in welchen Einzelne die Fähigkeit verlieren, sich auf die bisher von ihnenbetriebene Weise künftig zu ernähren, während es ihnen an Gelegenheit und an Mittelnfthlt, eine neue lohnende Arbeit zu beginnen. Hier helfend einzugreifen, ist eine schöneAufgabe für die Wohlthätigkeit, und zwar um so mehr, als die Staalsanstalten seltenauf solche Vereinzelte berechnet sind und auch in der That, da sie das Allgemeinere imAuge zu behalten haben, berechnet sein können. Die anzuwendenden Mittel sind aber ^hauptsächlich nachstehende: Nicht selten ist in einem Lande die Verfertigung gewisserGebrauchsgegenstände, welche eines sicheren und beständigen Absatzes gewiß sind, auchweder einer langen Lehrzeit, noch eines großen Betriebscapitales bedürfen, gar nicht be-kannt oder wenigstens nicht genügend verbreitet. Hier kann dann durch die Eröffnung vonunentgeltlichen Unterrichtsanstalten viel Gutes gestiftet werden, theils über-haupt in volkswirthschaftlicher Beziehung, theils, was hier zunächst zur Sprache kommt,zur Unterstützung Solcher, welche anderwärts ihr Brod nicht zu verdienen vermögen.Natürlich läßt sich ein Verzeichniß der passenden Arbeiten nicht im Allgemeinen geben, da !hier Alles auf örtliches Bedürfniß und bisherigen Mangel ankommt; aber beispielshalber !mögen genannt sein: Spitzenklöppeln, feine Korbarbeiten, Strohflechten, hölzerne Uh-