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12 (1848) [Schl - Zwe]
Entstehung
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747
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Vereinigte Niederlande. 747

Provinzen richteten, mit Erfolg abzuwehren. Der lange Kampf mit Frankreich, der mehrals alles Andere zum Untergange der spanischen Herrschaft beigetragen, wurde fast immerin den Niederlanden und um die Niederlande geführt, die in jedem Friedensvertrage ihrGebiet sich verringern, ihre besten Besitzthümer, ihre festesten Stellungen an Frankreichabtreten sahen.

Der Utrechter Frieden brachte für Belgien eine neue Ordnung der Dinge, aber kaumeine bessere zu Wege. Wahrend dieses Krieges war die Ohnmacht Spaniens, diese Pro-f vinzen zu behaupten, hinreichend herausgestellt, sie wurden bald von den Armeen Frank-reichs und der Generalstaaten besetzt und dienten diesen beiden erbitterten Feinden zumSchauplatze ihrer Kampfe. Beim Abschlüsse des Friedens kamen sie an Oesterreich mitder Bestimmung, der Republik der vereinigten Niederlande als Barriere gegen Frankreichzu dienen. Au diesem Endzwecke erhielten die Generalstaaten ein Besatzungsrecht in meh-reren der wichtigsten Festungen Belgiens gegen die französische Gränze und sonstige Be-fugnisse, die fast einer Theilnahme an der Souveränetät gleichkamen. Die Schelde bliebgeschlossen und die allgemeinen Verhältnisse des Landes unter der österreichischen Regie-rung beinahe dieselben wie unter der spanischen. Das Wiener Cabinet verfuhr damitwie das Madrider, die Niederlande waren ihm ein Mittel, um anderweitige Zwecke seinerPolitik zu erreichen; wie im siebzehnten, so waren sie auch wahrend des achtzehnten Jahr-hunderts sich nie Selbstzweck. Unter der väterlichen Verwaltung des Prinzen Karl vonLothringen wurden die letzten Jahre der Regierung Maria Theresia's eine Epochegroßer innerer Wohlfahrt. Obgleich die Regierung eine Menge von Reformen in der Or-ganisation und Verwaltung der Provinzen einführte, so achtete sie doch immer die politi-schen Gerechtsame derselben und hütete sich wohl, durch gewaltsame Eingriffe in dieselbenund übereiltes Handeln die Gemüther gegen sich aufzuregen. Leider befolgte Joseph II-nicht die vorsichtige Politik seiner Mutter; wie in den übrigen Provinzen seines Reichs, sot wollte er auch in den Niederlanden die bestehenden Misbräuche auf einmal abschaffen, seine

' reformatorischen Ideen da, wo sie nicht gutwillig angenommen wurden, mit Gewalt ins

Werk setzen und die ganze administrative Organisation umgestalten. In den alten Pro-vinzialrechten, deren Aufrechterhaltung er gelobt hatte, war die Pflicht des Gehorsams fürdie Unterthanen ausdrücklich an die Bedingung der Achtung ihrer Privilegien von Seitendes Fürsten gebunden. Joseph hielt sich nicht für verpflichtet, diesen Bestimmungen nach-zukommen; er erließ Verordnungen, die den bestehenden Privilegien des Volks durchausentgegen waren, und suchte die Herrschaft des absoluten Willens des Landesherrn an dieStelle des durch die Stände und den Fürsten repräsentirten Nationalwillens zu setzen.Dagegen erhob sich das Volk, Adel und Geistlichkeit, die in ihren Rechten mehr als alle Ande-ren beeinträchtigt waren, an der Spitze. Die brabantische Revolution brach aus (1789),große Volksaufstände in den wichtigsten Städten zwangen die Oesterreicher, die bei Turn-hout eine förmliche Niederlage erlitten, die insurgirten Provinzen zu verlassen. Dieöffentliche Gewalt kam in die Hände der Stände. Ehe diese aber noch irgend eine durch-greifende Umgestaltung des inneren Zustandes vollenden konnten, brachen unter den Patriotenselbst Spaltungen aus; so daß, als die Uneinigkeit und der Streit in ihrem Schooße immermehr zunahmen und Oesterreich sehr ernstliche Anstalten machte, die Provinzen durchWaffengewalt sich wieder zu unterwerfen, die Stände sich gezwungen sahen, mit dem Kai-ser zu unterhandeln und Leopold II., der nach dem unterdessen erfolgten Tode Jo-f seph's den Thron bestiegen hatte, als ihren legitimen Souverän anzuerkennen. Leo-pold beeilte sich, durch die letzten Vorgänge belehrt, unter Ertheilung einer vollständigenAmnestie, die alten Regierungsformen, Rechte und Privilegien wiederberzustellen; aber diedadurch bewirkte Ruhe war nicht von langer Dauer. Der Sturm war nur auf einen Augenblickbeschwichtigt, die Elemente der geselligen Ordnung waren zu tieferschüttert, als daß sie auf dieLänge hätten Zusammenhalten und besonders den Ereignissen widerstehen können, welche inFolge der Wendung, welche kie Dinge in Frankreich genommen hatten, auf sie einbrachen. Un->' mittelbar nach ihrer Kriegserklärung (20. April 1792) griff die französische Republik dieösterreichischen Niederlande an, und im November desselben Jahres war sie im Besitze der-selben. Alle bestehende Einrichtungen wurden nun umgestoßen, das Land von Grund aus