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12 (1848) [Schl - Zwe]
Entstehung
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746
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746 Vereinigte Niederlande.

Generalstaaten für sich zu gewinnen und dadurch den Stadthouder zu einer entschiedenenAnnäherung an Frankreich zu bewegen. Der Krieg selbst und die Folgen, die er für Hol-land hatte, brachten eine merkwürdige Umwandelung in der Stellung und den Tendenzender Parteien hervor. Die Staatenpartei hatte von jeher ibre meisten Mitglieder in deralten Aristokratie des Landes, den städtischen Geschlechtern und dem Großhandel gefun-den, sie war ihrer Zusammensetzung nach recht eigentlich aristokratisch gewesen, wahrend dieoranische Partei ihre Stützpunkte in den mittleren und unteren Volksclassen gesucht hatte.Die Verhältnisse der Republik zu England, das Verfahren des letzteren brachten nun denInteressen der Mitglieder der Staatenpartei die empfindlichsten Schläge bei, die Verluste,die sie erlitten, vermehrten die Abneigung, die sie gegen den Stadthouder hegten, den sienun als Stadthouder und als Vertheidiger des Systemes, das ihnen so große Nachtheilebrachte, haßten. Aus Aerger und um sich zu rächen, warfen sie sich ganz aus die SeiteFrankreichs und Amerikas und machten mit Leidenschaft die demokratischen Ansichten undpolitischen Freiheitsideen, die in Frankreich seit dem Anfänge des Jahrhunderts sich Bahngebrochen und in den Vereinigten Staaten gegen das Ende desselben sich verwirklichten,zu den ihrigen. Als Gegensatz dazu verstärkten sich bei ihren Gegnern, den Anhängernder oranischen Partei, obgleich diese ihrer Stellung und ihren Verhältnissen nach mehrdem Volke angehörten, die monarchischen Ideen und Tendenzen. Frankreich nahm Par-tei für die Patrioten, wie die Anhänger der Staaten sich jetzt nannten; Preußen, durchVerwandtschaftsbande an die Familie des Stadthouders geknüpft, für die Oraniec. EineBeleidigung der Gattin des Stadthouders, einer Schwester des Königs von Preußen, imAugenblicke, wo sie einen letzten Vermittlungsversuch machte, veranlaßte Preußen, Genug-thuung zu fördern- Da die Patrioten sie verweigerten und England die Proclamatio-nen des Berliner Cabinetes unterstützte, so ließ dasselbe im September 1787 ein preußi-sches Armeecorps in das Gebiet der Republik einrücken. Der Widerstand der patrioti-schen Partei wurde leicht besiegt, sie mußte den Stadthouder von Neuem in allen seinenWürden und Befugnissen anerkennen, die frühere Verfassung wurde wieder hergestelltund von England und Preußen besonders garantirt. Die alte Staatenpartei unterlagder materiellen Uebermacht, sie wirkte dessenungeachtet aber im Stillen fort, und der Tagder Vergeltung war für sie näher, als man im Augenblicke ihrer Niederlage denken mochte.

Die belgischen Provinzen waren unterdessen einem ganz verschiedenen Schicksale ge-folgt. Während die nördlichen Niederlande sich von der spanischen Herrschaft losrissen,wurden die südlichen durch die Geschicklichkeit und die Erfolge des Prinzen von Parmader spanischen Krone erhalten und Brabant und Flandern durch die Gewalt der Waffenzu unfreiwilliger Treue gezwungen. Mit dem alten Herrscher behielten diese Provinzenauch den alten Glauben. Eine eigene Gunst des Schicksals schien ihnen die nationaleUnabhängigkeit und politische Selbstständigkeit, welche ihre nördlichen Nachbarn durchharten Kampf sich errungen, auf weniger gewaltsamem Wege gewähren zu wollen.Philipp ». trat 1598 die belgischen Provinzen an seine Tochter, die Infantin Isa-belle, und ihren Gemahl, den Erzherzog Albert, unter vollkommener Cession derSouveränetät ab. Unter dem milden Scepter der Erzherzöge erholte sich das Land vonden Wunden, die der lange Krieg ihm geschlagen.

Leider blieb die Ehe Albert's und Isabel len's kinderlos, und nach den Be-stimmungen der Cessionsacte sielen die Provinzen, nach kurzer Selbstständigkeit, währendwelcher die verschiedenen Zweige der öffentlichen Thätigkeit und besonders die Kunst einenhöchst erfreulichen Aufschwung genommen hatten, wieder an die spanische Krone zurück.Mit diesem Rückfälle beginnt für Belgien eine lange Reihe unglücklicher Ereignisse, welcheseinen Wohlstand zerstören, seine politische Entwickelung zurückhalten, seine wesentlichstenInteressen, seine unbestreitbarsten Rechte der Eifersucht und Habgier seiner Nachbarn zumOpfer bringen. In den Verfall der spanischen Monarchie hineingezogen, theilten diesüdlichen Niederlande die schweren Unfälle, die zahlreichen Niederlagen, welche diese Machtwährend des siebzehnten Jahrhunderts erlitt. Durch weite Entfernung getrennt, in allenseinen Vertheidigungsmitteln geschwächt, sah Spanien sich außer Stande, die beständigenAngriffe, welche Frankreich und die Generalstaqten auf diese reichen, nur zu sehr auSgesetzten