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12 (1848) [Schl - Zwe]
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Universitäten. 623

fanden und wo es selbst auch ein und zwar ziemlich rohesBurschenleben mitLandsmannschaften und Clubbs" gab.

Auch fand sich bei de» Griechen zuerst eine eigentliche Gelehrtengesellschaftoder Akademie im engern Sinne, nehmlich das Museum zu Alexandria, welches diePtolemäer eingerichtet hatten, bestimmt zur Förderung der Wissenschaften, besondersfür Sprachkunde, Mythologie und Astronomie. Zugleich waren es diese Ptolemäerzuerst, welche den Gelehrten als solchen vom Staate einen bestimmten Gehalt zahlenließen. Bei den Römern folgte erst Kaiser Vespasian diesem Beispiele, indem ergriechischen und lateinischen Rhetoren eine sehr ansehnliche Besoldung aus der Staatscasseaussetzte, wodurch die Schulen Festigkeit gewannen, wenngleich in anderer Hinsichtdiese Sache den Geist der Brodstudien einheimisch machte. Auch di« nachfolgenden Kaiserertheilten gleiche Begünstigungen, so daß im 3. Jahrhundert n. Ehr. in Italien, Gallien,Spanien und Afrika jede bedeutende Stadt eine solche Gelehrtenschule für die Rhetorik,Grammatik, Philosophie rc. hatte; und namentlich ward seit Antonius Philoso-ph us die hohe Schule zu Athen als eine Staatsanstalt betrachtet und die Haupt-lehrer reichlich besoldet.

Merkwürdig ist, daß selbst nach Einführung des Christenthums als sogenannteStaatsreligion das alte Verhältniß und Ansehen dieser Schulen sich erhielt, und daßnamentlich in dem griechischen Theile des römischen Reichs die gebildete Welt nochbis auf Arcadius'Zeiten der alten heidnischen Bildung huldigte, während Hof undVolk christlich waren. Unter den Lehranstalten des Kaiserreichs, namentlich des latei-nischen Theils, sind die Rechtsschulen mitProfessoren"'oderAntecessoren", unterdenen Berytus die berühmteste, besonders zu erwähnen, für welche ein auf ein H»m-xpiennium berechneter Studienplan vom Kaiser Justinian festgesetzt ward.

Nachdem seit Theodosiu s dem Aelteren die heidnischen Schulen von Staats-wegen geschlossen waren und die christliche Geistlichkeit, zur unumschränkten Herrschaftgelangt, in fanatischer Wuth alle heidnisch« Bildung gänzlich zu vernichten trachtete, wares allerdings fast ein Wunder, daß im Orient sich noch Schulen und Lehrer erhielten,welche im 7. Jahrhundert gewisse Fächer und Theile der alten Wissenschaft den Arabernüberlieferten, von denen sie später an die Lateiner kamen. Es geschah Dies durch Ver-mittelung der syrischen Schulen, auf welche die Griechen ihre Wissenschaften fort-pflanzten, so wie dieselben auch den Ommajaden (660730), die ihren Sitz inDamascus hatten, die ersten arabischen Lehranstalten für Mathematik, Astronomie,Baukunst und Arzneiwissenschaft gründen halfen. Daß aber die Anregung der neu-europäischen Wissenschaftlichkeit größtentheils den Arabern zu verdanken ist, kannnicht bestritten werden. Im Occi dent waren natürlich mittlerweile die aus derRömerzeit herrührenden Schulen während der Periode der großen Völkerwanderung undin Folge der Eroberungskriege der germanischen Völkerschaften nebst ihren Büchersamm-lungen größtentheils zerstört; doch entwickelte sich bei diesen letzteren allmälig der Keimeiner neuen Literatur, deren Geschichte besonders um deswillen so merkwürdig ist, weilin ihr die Begründung jener geistigen und politischen Ueberlegenheit enthaltenist, durchweiche Europa, der kleinste der sogenannten Welttheile, zugleich der mäch-tigste und der Träger der gesammten Cioilisation der Menschheit geworden ist.

Um den Gang der angedeuteten Entwickelung so wie die Organisation zu verstehen,welche in dem sogenannten Mittelalter die geistigen Bildungsanstalten erhielten, mußman sich an die Hauptmomente jener Periode erinnern, die den ganzen Charakter dersel-ben bestimmten, nehmlich das germanische Volksthum und das aus dem Orientstammende, beim Verfall des römischen Reichs zur Staatsreligion gewordene und nachdessen Zertrümmerung durch die germanischen Völkerschaften an diese gebrachte Chri-stenthum. Während der antike Staat auf dem sogenannten Rechte der Eroberungoder des Stärkeren beruhte, zur Unke läge das Sklaventhum hatte, Wissenschaft, Künsteund Religion dem Staate völlig unterordnete, so daß z. B. die Sieger dem Besiegtenihre Götter aufdrangen, während ferner das Familienleben in Folge der Unterdrückungdes weiblichen Geschlechts ebenfalls den Charakter der Rohheit zeigte und überhaupt dem