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Turnen, Turnerei, Turnkunst.
bürg, 1840), wonach die inländischen Monopole aufhören, dafür aber ein Eingangszollvon 5 Procent und ein Ausgangszoll von 12 Procent des Werthes verordnet werden sollte.Die übrigen seefahrenden Nationen schlossen sich den Bestimmungen dieses Vertrages an,nur Rußland hielt an den alten 3 Procent fest und hat kürzlich eine zwölfjährige.Ver-längerung dieses Monopols erlangt. Die geistliche Verwaltung leitet unter Autorität desPadischahs der Mufti. Er ist der Vorstand der Ulemas (Gelehrten), welche eine Cor-poration aller Religions- und Rechtsverständigen bilden, und aus denen alle Kirchen- undRichterstellen besetzt werden. Die Classen dieser Ulemas find die Unter-Mufti-Kadilesker,Molla, Kadi, Naib, Imams, Scheichs, Chatibs, Muesfims und Derwische. DieRechtspflege beruht nach den Grundsätzen des Korans auf den einfachen und apodiktischenAussprüchen der Kadis. — An der Spitze der politischen Angelegenheiten steht der Gcoß-vezir; er ist oberster Befehlshaber im Kriege und Frieden, unter ihm stehen die sämmt-lichen Minister. Diese find nach den neueren Bezeichnungen der Umuri mülkie naflri(Minister des Innern), Umuri charadsche nasiri (Minister des Auswärtigen), Defterdar(Finanzminister), Kapudan-Pascha (Marineminister und Großadmiral), TschauschBaschi(Polizeiminister) und Mufti (Cultus- und Justizminister); sie bilden nebst den Agas derTruppen und anderen dazu gezogenen hohen Reichsbeamten, vorzüglich den Staatssecre-tären für die einzelnen Verwaltungszweige, den Staatsrath (Divan), in welchem alleReichsangelegenheiten verhandelt werden. Die regelmäßigen Truppen, welche die Tür-kei gegenwärtig unterhält, mögen etwa 50,000 Mann betragen, während ihre Kriegs-marine seit der verhängnißvollen Schlacht bei Navarin sich kaum wieder erholt hat und etwa1800 Kanonen mit 9000 Mann Equipage führen soll.
Ob die Türkei mit solchen Staatskräften, nachdem in ihr durch die neuesten Refor-men grundsätzlich das alte Regiment aufgehoben ist, das auf der Herrschaft der Gläubigenüber die Ungläubigen bafirt war, bei einer bevorstehenden ernstlichen Collision einer euro-päischen Hauptmacht wird Widerstand leisten können, oder ob ihr Dasein noch in un-gewisse Zukunft hinaus durch die Kunst der Diplomatie wird gefristet werden, das müssenwir diesen beiden, der zukünftigen Diplomatie und der diplomatischen Zukunft, über-lassen. Jedenfalls wird die Entscheidung auf das Schicksal Deutschlands nicht ohne Ein-fluß bleiben. Rutenberg.
Turnen, Turneret, Turnkunst. — Die Entwicklung und Ausbildung derKräfte des Körpers war im klassischen Alterthum ein wesentlicher Bestandtheil der Er-ziehung, sie war es gewiß auch im germanischen Alterthum und bis ins Mittelalter herab.Erst als mit der Einführung des Schießgewehrs der ritterliche Sinn und Brauch ver-schwand und zugleich die wiedergeborene Wissenschaft alle Kräfte für Ausbildung desGeistes in Anspruch nahm, wurde die des Körpers vernachlässigt, zum großen Nachtheilnicht blos der Leiber, sondern eben so sehr der Geister und am Meisten—der Herzen.Was der große Dichter von Abbotsford zu einseitig ritterlich vom Reiten sagt: es macheMuth und der Muth verabscheue die Lüge—, Das gilt mit vollem Recht von der Aus-bildung der körperlichen Kräfte im Allgemeinen, und der Verfall der Sitten und männ-licher Gesinnung in den letztverflossenen Jahrhunderten rührt zum Theil daher, daß mandie Griechen und Römer gerade in Dem nicht nachahmete, was so viel dazu beigetra-gen hatte, jene so liebenswürdig und lebensfroh, diese so furchtbar und gewaltig zumachen.
Es ist deswegen mehr als ein Zufall, daß mit dem Wiederaufleben des germanischenGeistes in der Erhebung gegen den Völkerdränger Napoleon auch der Gedanke an Tüch-tigung der Leiber von Jugend auf erwachte und, kaum erwacht, zur Thal ward, die so-fort die überraschendsten Erfolge brachte/ Allerdings hatte man schon zu Anfang desJahrhunderts, überbaupt seitdem man die Erziehung wissenschaftlich zu ordnen und zutreiben begann, auch Körperübungen empfohlen und da und dort eingeführt. Aber es bliebdies die Sache weniger einzelnen Erziehungsanstalten, und auch da nur Nebensache.Jahn's Verdienst, Jahn's großes Verdienst und sein unsterblicher Ruhm ist es, dieTurnkunst nicht blos wieder gefunden und mit ganzer Liebe und Kraft ersaßt, sondernauch sie sogleich zu einer Staunen erweckenden Vollkommenheit ausgebildet zu haben, die