Druckschrift 
12 (1848) [Schl - Zwe]
Entstehung
Seite
603
Einzelbild herunterladen
 

603

Türket.

Die fünf europäischen Ejalets sind: Rumili, Bosnien, Silistria, Dschesair und Kirid(Creta). Das Ejalet Rumili (bestehend aus den Landschaften Bulgarien und Arnautnebst Theilen von Thracien, Makedonien und Epirus) ist in 15 Livas oder Sandschaks«ingetheilt: Janina, Salonich, Trikala, Scutari, Ochrida, Aulone, Gustendil, JlBassan, Perserin, Ducagin, Uskiup, Delvino, Velitschterin, Cavala, Kruschevacz. Das Ejalet Bosnien (Provinz Bosnien, nebst der Herzegowina und kleinen Be-standiheilen vom ehemaligen Kroatien und Dalmatien) zerfallt in dieLivas: Vidin, Kiliss-Bosna, Zvernik, Ada-i-Trebir, Trebigne (Herzeaowina). Das Ejalet Silistriaenthält die Livas: Nikopoli, Tschermen, Vize, Kirklissa. Das Ejalet Dschesair(die am Marmora- und ägeischen Meere gelegenen Küstenstrecken von Thracien und Make-donien, die zur Türkei gehörigen Inseln des Archipels und verschieden« Landschaften inKleinasten, von welchen aber auf den eigentlichen europäischen Antheil nur 593 Quadrat-meilen kommen) umschließt dieLivas: Dardanellen, Rhodus, Nikosia (auf der InselCypern), Chios, Samos und andere Inseln des Archipelagus.Ejalet Kirid (Candiaoder Ereta) nebst einigen demselben nahe gelegenen kleinen Eilanden besteht aus denLivas: Kirid (Candia), Retimo und Kanea. Die wichtigsten Städte dieser Ejaletssind außer der Hauptstadt Constantinopel, deren schon früher erwähnt wurde, Salo-nich, am gleichnamigen Meerbusen mit etwa 70,000 Einwohnern, wovon die HälfteNichtmuhamedaner; sie ist die zweite wichtigste Handelsstadt der europäischen Türkei undfür den Ausfuhrverkehr sogar die erste. Skutari und Durazzo sind die wichtigstenHäfen des türkischen Albaniens. Skutari mit 20,000 E. liegt am Abflüsse der Boganaaus dem See von Skutari; Durazzo am Busen gleiches Namens des adriatischen Meeresmit 5000 E-Die wichtigen Handelsplätze Bulgariens liegen, außerVarna (16,000 E-,mit gutem Hafen am schwarzen Meere), sämmtlich an der Donau; es sind Widdin mit25,000 E., Sistowo mit 20,000 E., Rustschuk mit 30,000 E., Silistria mit 20,000 E.,Rassova, Hirsova, Jsaktfcha, Tultscha, Sulina, Kostendsche, sämmtlich jedoch mitdem überseeischen Auslande in sehr geringem Verkehre stehend, indem sie nach Galacz undBraila die Erzeugnisse des Landes zur Weiterbeförderung bringen. Der Verkehr der-selben mit Oesterreich durch die Donauschifffahrt ist lebhafter geworden. Die große Wich-tigkeit der Donau und der Donaumündungen in commercieller Hinsicht ist in neuester Zeitnoch gestiegen durch die von der österreichischen Regierung ergriffenen Maßregeln zur Be-förderung der Donauschifffahrt und durch die Einführung der Dampfschifffahrt von Preß-burg bis Galacz und von da nach Constantinopel. Dadurch wird die Donau zu einer derHauptstraßen des Tauschhandels zwischen dem Oriente und Mitteleuropa. Die Aus-führung des Gedankens aber, die Donau mit dem Rheine und dadurch das deutscheMeer mit dem schwarzen zu verbinden, kann diese Mündungen zu einem der Endpunkteeiner Wasserstraße machen, deren anderes Ende in Amsterdam, Rotterdam und Antwerpensein wird und auf welcher die Produkte von Holland, Frankreich, Deutschland, derTürkei und Südrußland ausgetauscht werden können, ohne daß man nöthig hat, Gibraltarzu umfahren. Dann werden die jetzt öden und unbewohnten Ufer der Donaumündungensich in bedeutende Entrepots des südeuropäischen Handels umwandeln. Bei der Dampf-schifffahrt sind zwar zunächst Oesterreich, Rußland, die Türkei betheiligt, dieselbebe-rührt aber daneben direct oder indirekt noch die Interessen so vieler anderen Länder,namentlich Deutschlands und Englands, daß es unstreitig des kräftigen Zusammenwirkensaller Mächte bedarf, um ein gedeihliches Verhältniß für alle Theile in der Zukunft zuStande zu bringen. Nur wenn die Dampfschifffahrt völlig entfesselt ist und bleibt, nurwenn die Freiheit des Stromes durch ein gemeinschaftliches Uebereinkommen sämmtlichereuropäischen Mächte vor allen möglichen Beeinträchtigungen sicher gestellt ist, werden diegroßen Hoffnungen sich verwirklichen, welche Centraleuropa und die Küstenländer desschwarzen Meeres mit Recht an die bisherigen Keime und Anfänge knüpfen. Die be-deutendsten Donauhäfen sind Galacz und Braila; beide, ehemals ganz untergeordneteStapelplätze des schwarzen Meeres, wetteifern jetzt um den gleichen Rang mit Taganrogund Odessa. Die österreichischen Schiffe sind jetzt ermächtigt, von hier direct nach Groß-britannien zu verladen.