Druckschrift 
12 (1848) [Schl - Zwe]
Entstehung
Seite
601
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Türket. 601

über Tokat, Kara-Hissar, Gümüsch-Hane'h nach dem Kurdistan ziehen, viel Kupfer ge-wonnen. In der Provinz Dschanik giebt es 4 Bergwerke, auf dem Wege von Trape«zunt nach Erzerum sind 2. In der Gegend von Gümüsch-Hane'h giebt es Bleiminen,deren Erze Silber und auch etwas Gold enthalten. Ein wenig Silber wird auch in denbalkanischen Bergen gefunden. Von dort bezieht man ferner Eisen, welches aber nichteinmal zum Verbrauche des Arsenals hinreicht. In Kara-Hissar ist ein bedeutendesAlaunwerk, in den Bergen von Kurdistan wird Borax, Operment rc. gewonnen. Stein-salz bricht man bei Kars, und an den Ufern des Archipelagus wird Meersalz gekocht.

In früheren Zeiten bezog Europa eine Menge kostbarer Stoffe aus der Türkei. Jetzthaben die dort igen Fabrik en nicht allein ihre auswärtigen Käufer verloren, sondernsie stoßen in ihrem eigenen Lande auf auswärtige Waaren, die besser und wohlfeiler alsdie einheimischen Erzeugnisse sind. Die natürliche Folge davon ist eine bedeutende Ver-minderung der Fabriken. Gewebe werden bereitet aus Flachs, Hanf, Wolle, Kameel-und Ziegenhaar, Baumwolle und Seide. Leinenzeuge fertigen zum Hausgebrauche dieBewohner nur in einigen Theilen der Türkei; Hanfverarbeitung dagegen ist ein sehr wich-tiger Zweig der Betriebsamkeit. Sehr dauerhaft sind die Taue, welche man in Unia undan einigen anderen Orten der Nordküste Anatoliens macht; die Kronfabrik zu Constanti-nopel, welche 1000 Mann beschäftigt und monatlich 4200 Pud Hanf verbraucht, liefertdie Taue für die ganze türkische Flotte. Die Hanfleinwand, welche vorzugsweise vonden Frauen in einigen Theilen Kleinaflens bereitet wird, gebraucht man in großer Menge zuHemden in der Türkei und in Syrien. Die Schafwolle in Asien ist so schlecht, daßauch die aus derselben gefertigten Gewebe auf einer sehr niedrigen Stufe der Vollkommen-heit bleiben mußten; in Europa kennt man unter allen Wollenzeugen nur die türkischenTeppiche. Das dauerhafteste Tuch webt man in Rumelien und versendet es von dort inalle Theile des Reichs; doch bereitet man fast überall auch für den Hausgebrauch Wol-lenzeuge, und außerdem Filze, gemeine Teppiche rc. Die türkische Baumwolle ist kurz-haarig und liefert daher kein feines Gespinnst, weshalb die Baumwollenzeuge nicht vonbester Güte sind. Zum Hausgebrauche werden dergleichen fast in allen Dörfern gewebt.Bemerkenswerth ist eine Art gestreiften Nankings, Manussa genannt, der vorzugsweiseim Lande der Kurden bereitet wird. Die baumwollenen Tücher, das einzige Zeug, wel-ches bedruckt wird, nehmen einen sehr bedeutenden Platz unter den Erzeugnissen der türki-schen Industrie ein. Durch ihre Seidenwaaren sind besonders berühmt: Constantinopel,Skutari, Brussa, Turnowo, Damask, Aleppo, Diarbekir; aber an dem ersten Ortesollen von 3000 früheren Weberstühlen jetzt nur noch 350 übrig geblieben sein, im zweitenfinden sich jetzt kaum noch 300. In Brussa ist ihre Zahl von 2000 auf 500 zusammen-geschmolzen ; in Turnowo gab es schon 1831 nur 200 statt der früheren 2000. Einejede dieser Städte zeichnete sich durch besondere Arten von Zeugen aus; so werden vor-zugsweise sammetne Ueberzüge zu Kissen in Skutari gemacht, in Constantinopel undBrussa wirkt man namentlich kleingeblümte Zeuge, Damask ist berühmt durch seine Kut-niae, Aladscha, Ghesi. In Aleppo und Diarbekir fertigt man dieselben Gewebe, sie wer-den aber weniger als die Damasker geachtet. Gemohrte Zeuge macht man auch in Con-stantinopel und Brussa. Die Goldwirkerei steht auf eitler sehr niedrigen Stufe, dieschwierigen Muster werden durch Frauenzimmer gestickt. In den türkischen Gerbereienbereitet und färbt man ganz vorzüglich Schaf- und Ziegenfelle. Türkische Säbel undDolche waren stets berühmt, alle übrigen Stahl-und Eisenwaaren aber sind höchst roh;Kupfergeräthe dagegen werden in großer Menge und gut gearbeitet. Goldarbeiter undJuweliere, deren es besonders in Constantinopel viele giebt, stehen den europäischen sehrnach. Es finden sich in der Türkei Glashütten, allein sie liefern nur mittelmäßige Waa-ren; Töpfergeschirr wird überall in großer Menge gemacht.

Die Türkei verkehrt mit Europa vermittelst vier Häfen: Constantinopel, Salo-nich, Smyrna, Trapezunt; außerdem besitzt sie noch eine Menge kleiner Häfen für dieCabotage-Schifffahrt. Der einzige vollkommen sichere Hafen am schwarzen Meereist die als Handelsplatz jetzt ganz unbedeutende Stadt Sinope; Samsun, mit einer ganzoffenen Rhede, hat die frühere Bedeutsamkeit derselben gewonnen, indem es der Stapel-