600
Türket.
mehrere Ueberlieferungs- oder Leseschulen. In der neuesten Zeit sind in Folge der Refor- ,men auch Kriegs- und Schifffahrtsschulen, auch eine medicinische Lehranstalt errichtetworden. Der Sultan hat auch mehrere junge Türken nach verschiedenen europäischenHauptstädten geschickt, damit sie sich dort weiter ausbilden. Doch scheint diese Maßre-gel in letzter Zeit, wie schon erwähnt wurde, auf Hindernisse getroffen und aufgegebenworden zu sein.
Was die Boden c ultu r betrifft, so wird Roggen nur in einigen, den nördlichen,Provinzen, Weizen, Gerste und Mais aber überall gebaut. Das meiste Getreide wirdan den Ufern des Marmorameeres und des Archipelagus gewonnen. Zm Innern des 'Landes werden die Fluren sehr vernachlässigt, da das Korn der Schwierigkeit und Kostbar-keit des Transports wegen keine Käufer findet. Türkische Bohnen sind auch ein ziemlich ^wichtiges Product des Ackerbaues; Reis wächst in Rumelien, wird aber sehr wenig geach- ,tet. Kleinasien versorgt einen großen Theil Europas mit getrockneten Früchten, nament- !lich Feigen und Rosinen, welche in der Gegend von Smyrna gelesen und von dort ver-schifft werden. Auf einem großen Theile der Nordküste Anatoliens sind die Berge mitNußbäumen bedeckt; die Insel Mytilene und die Ufer des dieser Insel gegenüberliegenden !Meerbusens von Adramati hingegen erzeugen eine große Menge von Oliven und Del, waszum Theil ins Ausland versendet wird. Die Mohnpflanze wird im südlichen TheileKleinasiens, in der Entfernung von 10—30 Tagemärschen von Smyrna gebaut undvon ihr Opium gewonnen. Das Opium von Asium-Kara-Hissar ist besonders geachtet.Mastix wird auf der Insel Chios erzeugt; Gummi, Gallapfel und Krapp gewinnt manhauptsächlich in Kleinasien. Die vorzüglichsten Gelbbeeren kommen aus Kaissar inKleinasien und sind denen aus Rumelien vorzuziehen. Tabak wird überall in der Türkeiangebaut, der beste aber ist der rumelische. In Rumelien und einigen Theilen Klein-asiens treibt man Hanf- und Flachsbau, im Paschalik Trapezunt und in der ProvinzDschanik dagegen hauptsächlich nur den erster«». Die Nordküste Anatoliens, die Uferdes Meerbusens von Nikomedien, Karamanien, Rumelien und Bulgarien sind reich anHolz, besonders an Eichen. — Von allen Pflanzen, aus denen Gewebe bereitet werden,ist unstreitig für die Bewohner Asiens die Baumwollenstaude die wichtigste. Sie wird imsüdlichen Anatolien gebaut und reicht nordwärts bis Tokat und Kara-Hissar. Die werth-vollste aller aus der Türkei ins Ausland gelangenden Waaren ist die Seide, von welcherdie in der Stadt Brussa und ihrer Umgegend gesammelte den ersten Platz nach der italie-nischen behauptet. Die aus Turnowo in Rumelien kommende Seide ist weit schlechter,jedoch dem Erzeugnisse von Amasia und Tscherschamba, in der Provinz Dschanik, vorzu-ziehen, welche, so wie die Seide von Diarbekir, nur im Lande selbst verbraucht wird. —Viehzucht ist in der Türkei, besonders unter den nomadischen Volksstämmen, ein sehrwichtiger Zweig der Belriebsamkeit. Die türkischen Pferde sind durch Nichts besondersbemerkbar; auch ist das Hornvieh weder durch Gattung noch durch Zahl ausgezeichnet,nur Büffel giebt es in Armenien von ungewöhnlicher Größe. Esel, Maulesel und Ka-rneole werden allgemein als Lastlhiere gebraucht; auch dient das Haar von letzteren zurVerfertigung von mancherlei Geweben. Die Mehrzahl aller Heerden bilden Schafe undZiegen. Von ihrem Fleische nähren sich die Muselmänner, aus der Milch bereiten sieKäse, die Felle dienen zu Pelzen, die Häute zur Fußbekleidung, aus der Wolle werdennicht allein Tücher, Teppiche, Filze, sondern auch Säcke und Stricke bereitet. Die Zie-gen von Angora und Kerman sind auch in Europa bekannt. Die aus Rumelien undBulgarien kommende Wolle schätzt man im Allgemeinen höher als die anatolische. Dasbulgarische Wachs ist sehr geachtet und von besserer Güte als das smyrnaer. An denKüsten von Karamanien und auf den Inseln des Archipelagus fischt man Meerschwämme.
— Die Türkei ist reich an Metallen, aber die Bedrückungen der einzelnen Paschashaben bis jetzt die Einwohner von ihrer Bearbeitung abgehalten. Sie widersetzen sich so-gar der Entdeckung neuer Minen und verschütten die schon geöffneten. Die Anfuhr derKohlen zu den Bergwerken und der Transport des Metalls von dort in die Kronmagazinelastet auf den Umwohnern und ist diejenige Frohne, welche das Fortschreiten des Berg-bauwesens besonders hindert. Dennoch ward in den Bergen, die sich am schwarz«n,Meer«