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12 (1848) [Schl - Zwe]
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596 Türket. >

Gefahr rückte den Türken immer näher, als die Kaiserin Katharina eine Reise nach demneugegründeten Cherson unternahm, an dessen einem Thore die Aufschrift stand:Hiergeht der Weg nach Constantinopel." Sie wollten der Gefahr lieber begegnen als sieerwarten; aber der von ihnen unternommene Krieg, an dem sich noch Oesterreich imBündnisse mit Rußland betheiligte, führte nur zu neuen Vergrößerungen für die letztereMacht (Friede zu Zassy am 11. August 1791 und 9. Januar 1792); Rußland gewannden Dnjstc als Gränze, während Oesterreich im Frieden zu Szistowa (4. August 1791) !

seine meisten Eroberungen herausgab. Solche Friedensschlüsse wurden von den Feinden ?jeder Reform, die Selim beabsichtigte, benutzt, um ihn zu stürzen. Ihm folgte Mu-stafa 1V., der aber nur kurze Zeit regierte. Im Jahre 1808 wurde Mahmud II. auf densturmbewegten Thron erhoben- Er erneuerte zunächst auf seines entschlossenen Groß-vezirs, Mustafa Bairaktar's, Rath die Reformversuche Selim's, indem er ein Corps i

von regulirten Truppen herstellte. Dieser Anfang seiner Reformen misglückte aber zu- ^

nächst; denn durch einen Aufstand der Janitscharen, in welchem der Großvezir sein Leben !verlor, wurde die Abschaffung jener Neuerung erzwungen (6. Nov. 1805). Wenn diese !und ähnliche Reformvecsuche aber auch später gelangen, so konnten sie die fortschreitendeSchwäche des Reichs nach Außen nicht aufhalten. Kaum hat die Türkei in einem sokurzen Zeiträume so bedeutende Ländervecluste erlitten; durch den Frieden von Adriano-pel (s. d. Art.) hat sie an Rußland bedeutende Landstriche eingebüßt, hat Griechenland alsunabhängigen Staat anerkennen müssen. Aegypten mit den angränzenden Ländernerkennt nur eine Art Souveränetät der Pforte an; die Moldau und Walachei stehen alsVasallenstaaten in einem sehr lockern Verbände mit ihr und gehorchen viel mehr Rußland;Serbien ist zum großen Theile unabhängig geworden (s. d. Art.); Algier ein Besitzthumder Franzosen.

Diese Verluste, besonders die Abtretungen von Syrien, Adana und anderen Land-strichen mußten den Stolz Mahmud's so sehr verletzen, daß er, auf ihre Wiedereroberung ?nur bedacht, sich zu weiteren Reformen entschloß. Da er durch die Vernichtung derJanitscharen (1826), die nach furchtbarem Kampfe erfolgt war, das letzte kriegerischeHilfsmittel zerstört hatte, so fing er seine Neuerungen mit Umgestaltung des Heeres an,suchte diesem eine europäische Form zu geben und ging dann nach und nach zu Neuerun-gen in der Staatsverwaltung über. Diese Ideen traten nach dem Frieden von Koniehmit dem Vicekönig von Aegypten recht lebhaft hervor. Au verschiedenen Malen machte derSultan Anstalten, die an Aegypten abgetretenen Länder wieder zu erobern. Jedesmalsetzte eine solche Nachricht die europäische Welt in Bewegung, weil ganz kluge Leute her-ausgebracht hatten, ein Kampf im Orient würde einen allgemeinen europäischen Kriegherbeiführen. Rußland, das sich in den letzten Jahren der hohen Pforte in jeder Bezie-hung unendlich genähert hatte, fühlte sich vermöge des Vertrags von Hunkiar Skelessi,den es mit der Pforte kurz nach dem Frieden von Konieh abgeschlossen hatte, verpflichtet,den Türken bei einer von Außen drohenden Gefahr beizustehen; es hatte demnach alleindas Recht, der Pforte auf ihr Verlangen Hilfe zu bieten und mit einer Flotte in die Dar-danellen zu fahren. Der Ausbruch des Kriegs zwischen der Türkei und Aegypten erfolgtenach vielfachen Demonstrationen; es kam am 24. Juni 1839 zu einer Schlacht bei Nisib,in welcher die Türken vollkommen besiegt wurden. Ehe aber noch die Nachricht dieserNiederlage nach Constantinopel gelangte, war Mahmud gestorben und hinterließ die bisin ihre Grundvesten erschütterte Pforte seinem 18jahrigen Sohne Abdul Medschid. Die-sen beiden Ereignissen folgte der Abfall des Kapudan Pascha, welcher mit der osmanischenFlotte nach Alexandrien segelte und sich in den Schutz des Vicekönigs von Aegypten begab.

Die europäische Diplomatie hatte diese Unglücksfalle nun wieder ins Gleiche zu brin-gen, die Interessen von Rußland, Frankreich und England, zum Theil auch Oesterreich,durchkreuzten sich bei diesem Unternehmen auf wunderbare Weise. Schon fürchtete maneinen allgemeinen europäischen Krieg, als es der Energie Englands, unterstützt von Oester-reich und anerkannt von Rußland, gelang, gegen den Protest Frankreichs die Sache so zu ?schlichten, daß Mehemed Ali auf seine Eroberungen von Syrien und Adana Verzicht lei-sten mußte, weil er der europäischen Waffengewalt, die England gegen ihn gebrauchte,