Türkei. 593
alten Landschaften, im Norden Kappadocien und Pontus, im Süden Cilicien, ausfüllen.Im NO. von Kleinasien erhebt sich das türkische Armenien, ein Hochland, auf demRussen, Türken und Perser als Herren sich begegnen. Es ist das Quellland des Euphratund Tigris, an welchen entlang bis zu ihrer Mündung sich Länder unter türkischer Herr-schaft ausdehnen, obgleich die Anerkennung derselben häufig genug fehlt und nur in derVoraussetzung der Türken besteht. Dies bezieht sich aber mehr auf das Bergland als dieTiefebene, welche unter dem Namen Mesopotamien das fruchtbarste Culturland der altenWelt darstellte. Wie Armenien im NO. von Kleinasien aufsteigt, so beginnt im SO.die Gliederung des syrischen KüstengebirgSzugs, eine Verzweigung des Taurus. Soristan,wie der heutige Name das alte Phönicien, Palästina und Syrien umfaßt, dehnt sich vonN. nach S. etwa 120 Meilen weit aus mit einer dreifachen Oberflächenform von O. nachW. als Plateau, Gebirge und Küstenebene. Das mittlere Syrien besteht aus dem schma-len nach SO- ziehenden Libanon, der sich bis zu 9000' erhebt. Auf seiner Ostseite liegtdas schmale Hochthal (Cölesyrien), in dem der Kasmieh nach S., der obere Assi (Orontes)nach N. fließt. Oestlich davon liegt der bis 5000' hohe Anlilibanon. Das südliche Sy-rien beginnt am oberen Jordan (von Tabarieh, Genezareth). Zwischen der Jordan-spalte und dem Meere liegt das westliche Gebirgsland von Palästina mit steilem Abfallezum Jordan. Das nördliche Syrien beginnt am Nordende des Lidanon und reicht bisAntiochia, Haleb und Palmyra hin, und waren nebst Antiochia hier die Centralpunkte derBildung und Macht. Die einst wichtigen, jetzt durch Küstenströmung versandeten Häfenvon Beirut, Sidon, Tyrus, Acre fanden sich hier. Vom Vorsprung des Earmel folgtein flacher, hafenloser Strand, der vor Joppe immer breiter wird.
Auf diesen ausgedehnten Länderebenen begründeten die Osmanen in verhältnißmäßigkurzer Zeit ihre Herrschaft. Ihr Herkommen und der Anfang ihrer Macht wird verschie-den dargestellt. Die am Meisten verbürgte Darstellung führt sie als Söldner bei denseldschukischen Sultanen von Konieh (Jconium) in Kleinasien auf. Als diese Sultaneder Macht der Mongolen erlagen, errichteten die Emirs der Türken kleine Herrschaften,deren Zahl eilf betragen haben soll. Unter diesen setzte sich Osman in Bithynien fest; erwurde 1299 zum Sultan erwählt, nahm seine Residenz zu Brussa und machte von hieraus unaufhörliche Streifzüge gegen die Griechen und das byzantinische Reich. SeinSohn Orchan (seit 1326) setzte die Eroberungen mit gleichem Erfolge fort. Man be-zeichnet ihn schon als den Begründer der Janitscharen, die eine der Grundlagen zumschnellen Anwachs der osmanischen Macht wurden. Als die beiden anderen Hauptmo-mente dieser Erscheinung hat man zu betrachten das eigenthümliche Lehenssystem und dieStellung des Oberhaupts, dessen persönliche Sicherheit gleichsam die Vermehrung derEroberungen gebot. Jedes Land, nachdem es erobert war, ward nach Fahnen und Sä-beln in eine Menge Lehen ausgetheilt. — Unter Orchan's Herrschaft wurde Nicäa er-obert und der erste feste Fuß von den Türken auf europäische Erde gesetzt (1357), indemGallipoli durch Orchan's Sohn Suleiman besetzt wurde. Aus Orchan folgte seinSohn Murad I. (1360), der als Verbesserer, von Anderen aber als Begründer der Ja-nitscharen genannt wird. Er eroberte Aorianopel, machte sich Thracien und Makedonienunterthan. Sein letzter Sieg war bei Kossova in Serbien (1389), den er aber mit sei-nem Leben erkaufte. Sein Sohn Bajazeth versuchte schon die Eroberung Constantino-pels und zwang die Griechen zur Zahlung von Tribut. Griechenland wurde dessenun-geachtet verwüstet und Constantinopel von Neuem (1393) eingeschlossen. Die Gefahrdes Abendlandes vor der Türkenmachl schien so groß, daß sich unter Siegmund's, Königsvon Ungarn, Fahnen ein starkes Heer aus verschiedenen Völkern Europas mit zumKreuzzuge sammelte und gegen Bajazeth zog. Bei Nikopolis kam es zum Treffen(1396), das unermeßliches Verderben über das Heer der Christen brachte, indem dieseein« erschreckliche Niederlage erlitten. Die Macht Bajazeth's wurde aber wenige Jahrespäter durch das Hereinströmen der Mongolen unter Tamerlan abgelenkt. Diesem gingder siegreiche Sultan entgegen und wurde bei Ancyra (1402) besiegt und gefangen genom-men. Bajazeth's Söhne, Soliman, Musa und Muhamed, theilten sich in die Herr-schaft, welche von blutiger Anarchie begleitet war, bis Muhamed (1413) als KaiserStaat«-Lerik»». Xll. 38